„Schritt der Festigung deutscher Fußballforschung“: Interview mit Karolin Heckemeyer und Judith von der Heyde zur „FuG – Zeitschrift für Fußball und Gesellschaft“

Fußballstadion

Im Juli 2019 erscheint die erste Ausgabe der FuG – Zeitschrift für Fußball und Gesellschaft im Verlag Barbara Budrich. Stellvertretend für die Herausgeber*innen waren Dr. Karolin Heckemeyer und Dr. Judith von der Heyde so freundlich, uns in einem Interview Fragen zum Phänomen Fußball und Gesellschaft sowie zur Zeitschrift zu beantworten.

 

Fußball und Gesellschaft, wie hängt das zusammen? Inwiefern ist Fußball als gesellschaftliches Phänomen zu verstehen?

Fußball ist hierzulande ein gesellschaftliches Alltagsphänomen. Unabhängig davon, ob sich Personen für Fußball interessieren oder nicht, sie können dem Thema nur schwer aus dem Weg gehen. Wie keine andere Sportart dominiert der Fußball die mediale Sportberichterstattung, sei es in Form von Fernseh-Live-Übertragungen, in Sportsendungen oder im Sportteil der Lokalzeitung. Die dort erwähnten Namen nationaler und internationaler – jedoch fast ausschließlich männlicher – Fußballstars sind vielen ein Begriff und Fußballtrikots und Fanaccessoires sind auch abseits der Stadien häufig zu sehen. Ferner ist Fußball im bundesdeutschen Kontext nach wie vor die beliebteste Vereins- und Freizeitsportart. Das heißt, Menschen sind nicht nur als Zuschauende, sondern auch als Aktive an dem Sport beteiligt. Die Frage, die uns als Herausgeber*innen der FuG – Zeitschrift für Fußball und Gesellschaft interessiert: Wie funktioniert das Phänomen Fußball? Woher kommt das umfassende Interesse und wie erhält es sich? Resultat welcher gesellschaftlicher Strukturen ist der Fußball und welche gesellschaftlichen Strukturen (re-)produziert er?

 

Wie kam die Idee zur Zeitschrift zustande? Was war der „Anstoß“ für die Realisierung dieser Publikation?

Cover FuG 3DDie Zeitschrift erwuchs aus der Idee, die wissenschaftliche Beschäftigung mit Fußball und seine Erforschung auch in Deutschland zu institutionalisieren und sichtbar zu machen, da wir selbst zu eben diesen Themen arbeiten und kaum Möglichkeiten sehen, unsere Arbeiten im deutschen Raum zu platzieren, außer in weniger spezifischen Zeitschriften als Randthema. In anderen Ländern, in denen Fußball als gesellschaftliches Phänomen ähnlich präsent ist, gibt es bereits seit Jahren auch institutionalisierte Forschungen zum Thema Fußball und seiner Bedeutung für die Gesellschaft, was sich zum Beispiel durch die englischsprachige Zeitschrift Soccer and Society zeigt.

Das heißt nicht, dass es nicht in Deutschland auch seit Jahren schon eine wissenschaftliche Community gibt, die sich mit Thematiken rund um Fußball beschäftigt. Im Gegenteil. Wir möchten mit dieser Zeitschrift diesen Wissenschaftler*innen die Möglichkeit geben, ihre Arbeiten zu publizieren und aus der Nischen-Forschung herauszutreten.

Das ist beim Thema Fußball gar nicht so leicht. Das liegt vor allem an seiner exorbitanten Präsenz, die dazu führt, dass viele Menschen im Alltag ein ganz spezifisches Wissen von und über Fußball haben (entweder durch eigene Spielerfahrungen oder durch jahrelangen Konsum). Fußball gilt daher als Alltagsthema und nicht als wissenschaftliches. Dieser Annahme möchten wir mit der Zeitschrift, als einem ersten Schritt der Festigung deutscher Fußballforschung, entgegenwirken.

 

Für wen ist die FuG gedacht? Wer ist die Zielgruppe Ihrer Zeitschrift?

Die FuG richtet sich genau deshalb an Wissenschaftler*innen und Forschende, die sich für den Fußball als gesellschaftliches und soziales Phänomen interessieren und Fragen nachgehen, die ähnlich wie die Ausgangsfrage der Herausgeber*innenschaft danach fragen: Was lässt sich ausgehend vom Fußball über soziale und gesellschaftliche Entwicklungs- und Veränderungsprozesse verstehen? Und wie lässt sich das Phänomen Fußball vor dem Hintergrund sozial- und gesellschaftstheoretischer Perspektiven erklären? Sie ermöglicht wissenschaftliche Kommunikation und erhöht die Sichtbarkeit der Fußballforschung in der scientific commmunity. Daher spricht sie sowohl auf der Autor*innenebene als auch auf Seiten der Leser*innenschaft ein breites Feld aus Wissenschaftler*innen an, die sich für soziale Phänomen und gesellschaftliche Zusammenhänge interessieren.

 

Wie waren die Reaktionen Ihrer Wissenschaftskolleg*innen auf die Ankündigung der neuen Zeitschrift?

Die Reaktionen waren – zumindest nehmen wir es so wahr – positiv und interessiert. Wir hoffen, dass Kolleg*innen die Zeitschrift als eine Möglichkeit wahrnehmen, sozial- und gesellschaftswissenschaftliche Debatten über Fußball zusammenzuführen. Wir haben bis jetzt vielfältige Beiträge bekommen und sind zuversichtlich, interessante Ausgaben zusammenstellen zu können.

 

Das Schwerpunktthema der ersten Ausgabe lautet „Fußball und Politik“. Warum haben Sie dieses Thema für das erste Heft ausgewählt?

Ganz bewusst haben wir für die erste Ausgabe ein breites und darüber hinaus aktuelles Thema gewählt, das – so unsere Hoffnung – Kolleg*innen aus unterschiedlichen disziplinären Forschungskontexten anspricht bzw. ansprechen kann. Unser Ziel war es, den Raum sowohl für Analysen zu schaffen, die sich mit gesellschaftspolitischen Fragen in Bezug auf Fußball beschäftigen, beispielsweise mit Menschenrechten, Rassismus, Sexismus und Nationalismus etc., als auch für Analysen, die sportpolitische Zusammenhänge und Problemstellungen in den Fokus rücken. Der der ersten Ausgabe zugrunde liegende Politikbegriff ist ganz bewusst weit gefasst, um zunächst ein möglichst breites Spektrum an Perspektiven einzuholen. Einzelne Facetten zu vertiefen und/oder noch einmal differenzierter zu beleuchten, wäre dann das Ziel zukünftiger Hefte.

 

Mit welchen Themen werden sich die weiteren Hefte beschäftigen?

Die zweite Ausgabe der Zeitschrift interessiert sich für die mediale Repräsentation des Fußballs, während die dritte Ausgabe unter dem Titel „Fußball und Events“ einen Blick auf den Fußball im Zusammenhang mit sportlichen Großereignissen wirft. Das darauffolgende Heft Nr. 4, für das der CfP in Kürze veröffentlicht wird, setzt sich mit dem Thema soziale Gerechtigkeit und Fairness auseinander.

 

Ab Juli 2019 bei Budrich:

Cover FuG 3DFuG – Zeitschrift für Fußball und Gesellschaft. Heft 1-2019: Fußball und Politik.

 

 

 

Leseprobe aus der FuG 1-2019:

Integration durch Fußball!? Integrationsideale und -realitäten in einem Sportangebot für geflüchtete Kinder“ von Anne Sophie Krossa und Kristian Naglo. S. 69-89.

 

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