Günther Fetzer: Berufsziel Lektorat – Rezension

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Günther Fetzer, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Buchwissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg, bringt viel Erfahrung aus dem „echten“ Verlagsleben mit. So verbindet er in seinem im Mai 2015 erschienenen Buch „Berufsziel Lektorat. Tätigkeiten – Basiswissen – Wege in den Beruf“ Theorie und Praxis miteinander. Herausgekommen sind rund 180 Seiten, die einen Überblick über das Berufsfeld Lektorat bieten.

Pragmatisch und nüchtern nähert der Autor sich dem Feld. Er beginnt beim Verlag selbst, unterscheidet zwischen drei Verlagstypen (Publikumsverlag, Fachverlag, Wissenschaftsverlag), um dann den Blick auf das Lektorat mit seinen Anforderungen und Aufgaben zu richten.

Der zweite Teil befasst sich detaillierter mit der eigentlichen Lektoratsarbeit in den von ihm unterschiedenen Verlagstypen, ergänzt um einen Ausflug in das Leben freier Lektorinnen und Lektoren.

Ein rasanter Ritt durch das Basiswissen in fünf Bereichen – Betriebswirtschaft, Herstellung, Marketing, Öffentlichkeitsarbeit und Recht – rundet das knappe Büchlein ab.

Das Versprechen, „einen Überblick über die Lektoratsarbeit in den einzelnen Verlagstypen zu geben und dabei die wichtigsten Grundstrukturen herauszuarbeiten“ (S. 1), löst der Autor mühelos und kenntnisreich ein.

Die Art und Weise, wie er dies tut, spricht mich nicht in jedem Falle an. Materialreich wirken manche Kapitel  zusammengeflickt, zumal Abbildungen und Tabellen nicht (typo)grafisch einheitlich wiedergegeben werden.

Zum Teil gerät der Autor zwischen dem Wunsch, Praxis zu beschreiben und wissenschaftlich zu arbeiten, etwas ins Schlingern. Und rutscht bei der Diskussion anderer Autoren in merkwürdige Exkurse. Hier ein Beispiel:

Fetzer kommentiert eine Abbildung zur Deckungsbeitragsrechnung, die er aus (dem ganz hervorragenden Werk) „Verlagswirtschaft“ von Wulf D. von Lucius (2014) übernommen hat: „So ist zu fragen, warum die Herstellkosten beim wissenschaftlichen Buch pro Exemplar etwa doppelt so hoch sein sollen wie beim Roman“ (Fetzer, 2015, S. 105). Und spekuliert dann über aufwändiges Layout und Mehrfarbdruck. Vermutlich wäre er noch erstaunter, wenn ich ihm erläutern würde, dass selbst sein monochromes Büchlein von nicht einmal 200 Seiten das Doppelte bis Dreifache eines 400-seitigen Rowohlt-Taschenbuchs gekostet haben wird. Jedenfalls – und das ist der Rechenschlüssel – pro Exemplar. Während wir nämlich von unseren wissenschaftlichen Werken selten mehr als 1.000, wenn wir besonders gut geschlafen haben vielleicht sogar mal 3.000 Exemplare produzieren, stoppt Rowohlt die Presse erst, wenn 10.000 Exemplare oder mehr durchgelaufen sind. In absoluten Zahlen sind die Herstellkosten pro Titel bei Rowohlt mit Sicherheit weit höher als bei uns. Bei der Höhe der Stückkosten hat jedoch das Fachbuch jederzeit die teure Nase vorn.

Günther Fetzer empiehlt eine Vielzahl an unterschiedlichen Büchern für die weitere Lektüre und lässt mich dabei gelegentlich ratlos zurück. Beispielsweise, wenn er auf einen Überblick über die „jüngere“ Marktsituation im Bereich Agenturen verweist, der vor fast fünfzehn Jahren erschienen ist (Literarische Agenturen – die heimlichen Herrscher im Literaturbetrieb? herausgegeben von Ernst Fischer). „Jünger“ ist offensichtlich relativ.

Doch dies sind im Grunde Kleinigkeiten: Insgesamt ist das Buch gut geeignet, um einen knappen Überblick über das Berufsfeld Lektorat zu bekommen, den Beruf etwas zu entzaubern, die Schwierigkeiten darzustellen und Lösungsvorschläge dafür zu erarbeiten, den Fuß in ein Berufsfeld zu setzen, in dem es keine 3.000 Stellen gibt (Fetzer 2015).

Fazit: Lesenswert!

 

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