Kennen Sie sich gut genug? Grundlagen für effizientes und effektives Schreiben

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von Christian Wymann

Motivation, bewusste Schreibgewohnheiten und Schreibstrategien sind für professionell und wissenschaftlich Schreibende unerlässlich. Diese Aspekte bilden eine Grundlage an Wissen und Fähigkeiten, aus der effizientes und effektives Schreiben entsteht. Schreibende, die eine solche Grundlage erarbeiten, können sich stärker auf Fragen, Inhalte und Erkenntnisse konzentrieren, weil sie weniger durch Unsicherheiten oder Probleme mit dem Zeitmanagement, der Arbeitsplanung, dem Schreibprozess und anderen Aspekten des Schreibens zu kämpfen haben. Die Grundlage erweist sich zwar als solide, aber auch als flexibel: Schreibende können ihre Vorstellungen, Gewohnheiten und Strategien – ihre Schreibwerkzeuge – den Schreibaufträgen und Lebensumständen anpassen, ohne dadurch in Schreibschwierigkeiten zu geraten.

Professionelle Musiker*innen wissen, woran sie technisch und musikalisch arbeiten müssen, um beruflich Musik machen zu können. Das gilt auch für Sportler*innen, die unter anderem mithilfe unterschiedlicher Coaches versuchen, Körper und Geist zu Spitzenleistungen zu bringen. Sie als wissenschaftlich Schreibende*r sollten sich ebenso gut kennen und wissen, woran Sie arbeiten müssen, um wissenschaftliche Texte erfolgreich schreiben zu können. Erfolgreich bedeutet, dass Sie wissen, wie Sie vorgehen müssen, damit Sie als wissenschaftlich Schreibende*r und Kommunizierende*r wahr- und ernstgenommen werden. Denn Ihr Ziel besteht letztlich darin, neue Erkenntnisse zu einer Diskussion in einer Forschungsgemeinschaft beizutragen.

 

Schreibmotivation

Ob und aus welchen Gründen Sie motiviert sind, wissenschaftlich zu schreiben, kann unter anderem Ihre Vorstellungen über das Schreiben, Erwartungen an sich selbst, einen Text und den Schreibprozess beeinflussen. In Phasen, in denen Sie mit der Schreibarbeit nicht wie erwartet vorwärtskommen, kann die Klärung Ihrer Schreibmotivation sinnvoll sein. Doch auch in Momenten, in denen das Schreiben mühelos erscheint und keine unnötigen Reibungen bestehen, kann eine kurze Besinnung auf die Motivation die positiven und nützlichen Bedingungen offenbaren. Treten später Schwierigkeiten auf, kann die Erinnerung an die Bedingungen, die in der Vergangenheit motivierend gewirkt haben, Ihnen helfen, vergleichbare Bedingungen herzustellen.

Fragen Sie sich: „Aus welchen Gründen will ich wissenschaftlich schreiben?“, „Was motiviert mich, diese Arbeit in Angriff zu nehmen?“ oder „Weshalb will ich einen Teil meiner Zeit und Energie diesem Schreibprojekt widmen?“ Stellen Sie sich diese Fragen in unterschiedlichen Schreibsituationen, sehen Sie auch, dass Sie nicht immer dieselbe Motivation antreibt. Ein Beispiel: Zur selben Zeit stehen zwei unterschiedliche Schreibprojekte an. Einerseits haben Sie die Möglichkeit Beiträge für Zeitschriften, Sammelbände oder Konferenzen zu veröffentlichen, mit denen keine direkte berufliche Qualifikation verbunden ist. Die Motivation, diese Projekte voranzubringen, ist hoch, da diese positiv assoziiert werden. Andererseits fehlt Ihnen die Motivation für eine große Qualifikationsarbeit (Promotion oder Habilitation), da Selbstzweifel und schlechte Erfahrungen in der Vergangenheit Sie bei der Umsetzung hemmen.

Klären Sie also besonders zu Beginn größerer Schreibprojekte Ihre Motivation. Überlegen Sie, welche Auswirkung Ihre Motivation auf die Planung und Ausführung der anstehenden Arbeit haben könnte. Damit machen Sie sich einen ersten Teil Ihrer Schreibgrundlage bewusst. Ihre Motivation zu kennen, ist eine Grundlage, um Ihren Schreibprozess effizient zu gestalten.

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Dieser Beitrag ist erstmals im Pilotheft der Exposé – Zeitschrift für wissenschaftliches Schreiben und Publizieren erschienen.

 

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