Fritz Bohnsack im Interview

5 Fragen an … Fritz Bohnsack

 

Fritz Bohnsack gehört zu den führenden Erziehungswisssenschaftlern, Schwerpunkt Schulpädagogik, im deutschsprachigen Raum. Insgesamt hat er etwa 170 Publikationen (mit)verfasst. Aus Anlass der Veröffentlichung seines jüngsten Buches, Sinnvertiefung im Alltag. Zugänge zu einer lebensnahen Spiritualität, beantwortet er unsere 5 Fragen:

Was ist aus Ihrer Sicht die wichtigste Herausforderung für Ihr Fach in den nächsten Jahren?

Fritz Bohnsack: Die wichtigste Herausforderung für mein Fach Erziehungswissenschaft in den nächsten Jahren ist

  1. die Klärung eines Konzeptes von „Dialogischer Personalität“ mit dessen Konsequenzen für die Schule, die Schüler, die Lehrer, beider Beziehung und die Lehrerbildung. Das Konzept überwindet die Einseitigkeiten der Bestimmung des klassischen Personbegriffes des deutschen Idealismus, u.a. durch dessen Kennzeichen der Freiheit und Autonomie, und sieht den Menschen wesentlich im Bezug zu Welt und anderen Menschen (oder auch Gott), zu einem „Du“ also, das Erwartungen stellt und Rücksichtnahme fordert, d.h. seinerseits personale Züge trägt.
  2. die theoretische und praktische Entwicklung einer wirksamen „Inklusion“, welche auch den Zustrom der Flüchtlingskinder berücksicht. Als Eingehen auf die Bedürfnisse unterschiedlichster Lernender lebt „Inklusion“ aus den Grundstrukturen der Personalität, gehören also die Punkte a) und b) zusammen.

 

Warum sollte jemand unbedingt in Ihrem Forschungsbereich tätig werden?

Fritz Bohnsack: In meinem Fach tätig werden sollte jemand, der sich dazu „berufen“ fühlt. Das heißt, er müsste die Notsituation der Schule sehen und daran arbeiten wollen.

Warum haben Sie sich damals für Ihr Forschungsgebiet/Forschungsthema entschieden? / Was motiviert Sie an Ihrem Forschungsthema ganz besonders?

Fritz Bohnsack: Ich habe 1954 den Wechsel vom Studium zweier Literaturwissenschaften (Germanistik und Anglistik) zur Pädagogik vollzogen, weil ich den Wahnsinn des Nazionalsozialismus und des Krieges noch bewusst erlebt habe und einer Wiederholung entgegenarbeiten wollte: das geht, so schien mir, eher im Bereich der Pädagogtik.

Welches Buch hat Sie persönlich am meisten geprägt?

Fritz Bohnsack: Am stärksten meine Position beeinfusst haben die Schriften von Martin Buber und John Dewey.

Ich bin Autor bei Budrich, weil …

Fritz Bohnsack: … der Verlag mit mir effektiv, zuverlässig, flexibel und persönlich erfreulich gearbeitet hat.

 

Kurzvita von Fritz Bohnsack

Fritz Bohnsack1942 Abitur in Hamburg. 1942-45 Kriegsdienst. 1945-51 Studium der Fächer Deutsch, Englisch und Philosophie in Hamburg, Promotion 1951. 1951-53 Assistent an Schulen und am Deutschen Seminar der Universität Edinburgh. 1954-59 Abschluss der Referendarausbildung und Assistent in Pädagogik an der Universität Hamburg. 1959 Assistent in Münster. 1960-75 Assistent, Akademischer Rat, Oberrat, dann Professor an der Universität Marburg, Fach Erziehungswissenschaft.1975-88 Professor für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Schulpädagogik an der Universität Essen. Publiklation: etwa 170 Aufsätze, Beiträge und Bücher, diese vor allem nach der Emeritierung, zuletzt, 2013, „Wie Schüler die Schule erleben“.

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