Feministische Technikforschung und die neuen Grenzen zwischen Natur und Künstlichkeit

GENDER – Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft 3-2019: Feministische Science & Technology Studies (STS) und die Wissenschaften vom Künstlichen

Feministische Science & Technology Studies (STS) und die Wissenschaften vom Künstlichen

Lucy Suchman

GENDER – Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft, Heft 3-2019, S. 56-83

 

Zusammenfassung

Der Beitrag diskutiert gegenwärtige Forschung an der Schnittstelle von feministischer Technikforschung und Science & Technology Studies (STS) mit einem Fokus auf aktuelle Entwicklungen im Bereich der „Wissenschaften vom Künstlichen“, wie z. B. der Robotik oder der Künstlichen Intelligenz. In diesen Feldern gewinnen Konzeptionen von Mensch-Maschine-Verbindungen und ihre soziomateriellen Grundlagen neue Brisanz; Grenzen zwischen Natur und Künstlichkeit werden neu verhandelt. Der Text diskutiert feministische Auseinandersetzungen mit Mensch-Maschine-Beziehungen, ihren materiellen und metaphorischen Grundlagen, aber auch in den Technowissenschaften dominante Vorannahmen und Politiken der Differenz. Er stellt die Frage, wie verantwortungsbewusste Wissensproduktion möglich ist sowie ein kritischer Austausch zwischen feministischen STS und gegenwärtigen Projekten der Technowissenschaften.

Schlüsselwörte: Feministische Technikforschung, Science & Technology Studies, STS, Mensch-Maschine, Cyborg, Verantwortung

 

Summary

Feminist STS and the sciences of the artificial

This article discusses current research at the intersection of feminist research and science & technology studies (STS), focussing specifically on work that deals with current developments in the field of the “sciences of the artificial”, such as robotics and AI. In these fields, the shifting border between nature and artifice is being renegotiated. The central thesis is that, with the rise of information sciences and technologies, concepts of human/machine mixings and their socio-material foundations have gained new relevance. Accordingly, the text discusses feminist analyses of human/machine relations, their material and metaphorical foundations, assumptions that predominate in the technosciences and the politics of difference. Ultimately, it raises questions around both responsible knowledge production and the conditions and possibilities of a critical exchange between feminist STS and current technoscientific projects.

Keywords: feminist research, science & technology studies, STS, human/machine, cyborg, responsibility

 

In den letzten 20 Jahren konnten wir ein wachsendes Engagement an der Schnittstelle von feministischer Forschung und Science & Technology Studies (STS) beobachten. Der hier entstandene Korpus an Forschung ist mittlerweile umfangreich genug, um zu einer eingehenden und gezielteren Durchsicht der verschiedenen Schwerpunkte und der neu entstandenen, umfangreichen Literatur einzuladen. Dementsprechend soll dieses Kapitel1 eine integrative Reflexion der Beschäftigung von feministischen STS mit aktuellen Entwicklungen eines besonderen Feldes von Science und Technology, nämlich den Wissenschaften vom Künstlichen, anbieten.2 Ich konzentriere mich hier auf die sich verschiebende Grenze von Natur und Künstlichkeit, die in den Beziehungen zwischen Menschen und Computern eine Rolle spielt. Dabei baue ich auf frühere Diskussionen über die Perspektiven feministischer Forschung auf Technologie im weiteren Sinne auf. Zu den zentralen Projekten gehören u. a. solche, die gemeinhin unter der Rubrik der Kognitionswissenschaften und den damit verbundenen Technologien zusammengefasst werden, inklusive Künstliche Intelligenz (KI), Robotik und Software-Agenten ebenso wie andere Formen von Embedded Computing.3 Zentrales Anliegen sind die sich verändernden Konzeptionen der soziomateriellen Grundlagen von Agency und gelebter Erfahrung, von Körpern und Personen, von Ähnlichkeit und Differenz und von Beziehungen quer über die Mensch-Maschine-Grenze hinweg.4 Ich rahme meine Überlegungen bezugnehmend auf feministische STS, es ist allerdings nicht mein Anliegen, letztere als eine abgrenzbare, von den Science & Technology Studies im Allgemeinen getrennte Subdisziplin darzustellen. Einerseits sind die historischen und konzeptuellen Beziehungen viel zu eng und produktiv, um eine Trennung zu befürworten, andererseits wären derartige territoriale Ansprüche antithetisch zum Geist der Forschung, die ich im Folgenden behandeln werde. Ich unterscheide hier zwischen feministisch inspirierten STS und dem weiteren Feld der STS sowie zwischen den „Wissenschaften vom Künstlichen“ und den Technowissenschaften im weiteren Sinne, um für dieses Kapitel die Grenzen so zu ziehen, dass bestimmte im Brennpunkt stehende Interessen und Anliegen deutlich werden. Ich schließe hier Arbeiten ein, die unter den verschiedensten disziplinären oder  methodologischen Zugehörigkeiten entstanden sind, am wichtigsten sind dabei feministische Theorie, aber auch Wissenschaftssoziologie, Kulturanthropologie, Ethnomethodologie sowie Information Studies und Design. Was die hier diskutierten Arbeiten verbindet, ist ihr Interesse daran, Traditionen und gegenwärtige Figurationen von Mensch-Technologie-Beziehungen zu hinterfragen, und zwar durch eingehende historische, textuelle und ethnografische Untersuchungen. Die hier besprochene Forschung  unterscheidet sich von den Technology Studies im weiteren Sinne durch eine kritische Auseinandersetzung mit (1) Technikwissenschaften, die auf dem Tropus der „Information“ basieren; (2) „digitalen“ oder rechnergestützten Artefakten; (3) der Tradition von Automaten oder der Maschinen, die gewissermaßen Abbilder von Menschen oder menschlichen Fertigkeiten darstellen sollen, und (4) durch Analysen, die von feministischer Theoriebildung inspiriert sind oder in denen sie – in meiner Lesart – widerhallt.

Für mich ist eine der Stärken von STS der Anspruch, quer zu den Disziplinen zu arbeiten und dabei sowohl historisch als auch für gegenwärtige Projekte ein detailliertes und kritisches Verständnis der Sozialität von Wissenschaft und Technologie zu schaffen. Ähnlich organisiert sich feministische Forschung weniger um disziplinäre Kanones als um zentrale Interessen und Probleme herum und stellt ein offenes und heterodoxes Arbeitsfeld dar.5 Die Aspekte von feministischen STS, die ich hier nachzeichne, sind von einem Verhältnis zur Technowissenschaft geprägt, das kritische Untersuchungen relevanter Diskurse mit einer Respezifizierung materieller Praktiken verbindet. Ziel ist es, Grundlagen zu schaffen, die andere Arten der Konfiguration technologischer Zukünfte möglich machen.

Feministische STS

Bestimmte Problematiken, die nicht ausschließlich in der feministischen Forschung relevant sind, dienen gegenwärtigen feministischen Technikforscher_innen als Leitfragen. Zentral ist u. a. das fortlaufende Projekt, binäre Oppositionen durch philosophische Kritik und die historische Rekonstruktion der Praktiken, durch welche diese grundlegend für moderne technowissenschaftliche Definitionen der Wirklichkeit geworden sind, zu erschüttern. Zu diesen binären Oppositionen gehören Trennungen von Subjekt und Objekt, Mensch und Nicht-Mensch, Natur und Kultur, und damit verbunden Gleichheit und Differenz, wir und die anderen. Die Politiken der Gewichtungen innerhalb dieser Trennungen, insbesondere die der Bestimmung von Sex und Gender, wurden von feministischen Wissenschaftler_innen am intensivsten untersucht. Eine Anfangsbeobachtung ist, dass in diesen Gegensatzpaaren der erste Begriff zumeist als privilegierter Referent dient, von dem ausgehend der zweite Teil definiert und beurteilt wird.

Bei der Wirklichkeitskonstitution sind Fragen von Ähnlichkeit und Differenz und die mit ihnen assoziierten Politiken entscheidend. Jenseits allzu dichotomer und politisch konservativer Einwände ist die Frage der Differenz eine, mit der sich insbesondere die feministische  und postkoloniale Forschung intensiv und produktiv beschäftigt hat.6 Hier kollaborieren feministische STS mit anderen aktuellen Forschungsfeldern, um die konzeptuellen und empirischen Grundlagen der kollabierenden, aber nach wie vor wirkmächtigen Grenzen zwischen den fundamentalsten Kategorien der Wissenschaft und der Technologie, nämlich Natur und Kultur, zu hinterfragen.7 Spätestens seit Donna Haraways berühmter Intervention (1995a [1985]) haben feministische Wissenschaftler_innen die zunehmend evidente Untrennbarkeit von Subjekten und Objekten, ‚natürlichen‘ Körpern und ‚künstlichen‘ Erweiterungen begrüßt. Zur Untersuchung derartiger Verbindungen gehört sowohl die Analyse der Arbeit, durch die bestimmte Assemblagen von Personen und Dingen entstehen, als auch die Beschäftigung mit der Art und Weise, wie Menschen und Nicht-Menschen – entkoppelt von den Orten und Begebenheiten, die sie zu dem machen, was sie sind – fetischisiert werden. In letzterem Prozess werden soziale Beziehungen und Arbeit unsichtbar gemacht und Artefakte mystifiziert.

Feministische Forschung teilt mit poststrukturalistischen Ansätzen die Prämisse, dass der langlebige und zwingende Charakter von Kategorisierungen und damit verbundenen Politiken der Differenz durch kontinuierliche Reiterationen in alltäglicher sozialer Aktion und Interaktion reproduziert wird.8 Dementsprechend sind die Konsequenzen dieser Enactments nur als gelebte Erfahrungen spezifisch situierter und verkörperter Personen intelligibel. Verstehen wir Ähnlichkeit und Differenz als konstituiert und nicht als gegeben, können sie nicht mehr als grundlegende Prämissen interpretiert werden und die kontinuierliche Frage: „Welche Differenzen sind hier von Bedeutung?“ (Ahmed 1998: 4) steht im Vordergrund – eine Frage, die immer nur im Moment beantwortet werden kann. Wie ich später diskutieren werde, nimmt diese Frage im Fall der Politiken der Differenz zwischen Natur und Künstlichem einige neue Wendungen.

Die Wissenschaften vom Künstlichen

Diese Fragen an der Schnittstelle von feministischer Forschung und STS haben unmittelbare Relevanz für laufende Initiativen in dem Bereich, den der Informatiker, Psychologe, Ökonom und Management-Theoretiker Herbert Simon (1990 [1969]) „die Wissenschaften vom Künstlichen“ genannt hat. Genauer gesagt stehen die oben skizzierten Perspektiven verschiedentlich in provokantem Kontrast zu Simons Konzeption der Natur-Künstlichkeit-Beziehung. Erstens hatte Simon die Wendung in einem Rahmen geprägt, der das „Künstliche“ dem „Natürlichen“ gegenüberstellte und davon ausgehend versuchte, die Wissenschaften des Ersteren aufbauend auf dem, was er für die fundamentalen  Wissensproduktions-Praktiken des Letzteren hielt, zu modellieren. Die Arbeiten, die ich hier betrachte, befassen sich im Kontrast dazu damit, die Prämisse zu erforschen, dass die Grenze zwischen Natur und Kultur, die Simons Initiative zu überwinden suchte, selbst ein Resultat historisch spezifischer Praktiken im Materiellen verankerter imaginativer Künstlichkeit ist. Zweitens besteht für Simon das „Künstliche“ aus Systemen, die in adaptiven Beziehungen zwischen „inneren“ und „äußeren“ – wie auch immer definierten – Umwelten geformt werden. Feministische STS hingegen schließt sich anderen Modi poststrukturalistischer Theoriebildung an, um die bei Simon implizierte Separation und funktionale Reintegration von Innerem und Äußerem zu hinterfragen. Hier liegt der Fokus vielmehr auf Praktiken, durch die sich die Grenzen zwischen Entität und Umwelt, Affekt und Sozialität, dem Privaten und dem Politischen in bestimmten Ereignissen manifestieren, und auf der Frage, welche Effekte diese Grenzziehungen haben. Außerdem betrachtet Simons Projekt „Information“ als grundlegende Größe, während die hier untersuchte Forschung sich auf die Geschichte und gegenwärtige Funktionsweisen dieser wichtigen Trope konzentriert. Und zuletzt begreift Simon die universale Figur des „Menschen“ als zentrales Subjekt-Objekt, während es hingegen die Aufgabe feministischer STS ist, diese Figur und die Arrangements, zu deren Aufrechterhaltung sie dient, aufzulösen.

Der Aufstieg der Informationswissenschaften und -technologien ist ein Moment, das im Zeichen transformativen Wandels langjährige soziale Arrangements und kulturelle Annahmen zugleich intensiviert und verdeutlicht hat. Die Voraussetzungen dafür haben kritische Sozialgeschichten wie Paul Edwards The Closed World (1996), Alison Adams Artificial Knowing: Gender and the Thinking Machine (1998), N. Katherine Hayles How We Became Posthuman (1999) und Sarah Kembers Cyberfeminism and Artifical Life (2003), die die Entstehung von Informationstheorie und Kognitionswissenschaften während der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts untersuchen, geschaffen. Die Autor_innen sehen sich an, wie Körper und Erfahrung von Informationalisierung und der Reduktion auf Berechenbarkeit in den Wissenschaften vom Künstlichen verdrängt worden sind (siehe auch Bowker 1993; Helmreich 1998; Forsythe 2001; Star 1989a). Das Künstliche wird hier verkompliziert, da Simulacra weniger als Kopien Idealisierter Originale denn als Beweis für den zunehmend inszenierten Charakter naturalisierter Authentizität verstanden werden (Halberstam/Livingston 1995: 5). Die Trope der Informatik verbindet hier die Produktion von Code als Software mit den produktiven Codes des Bioengineerings (Fujimura/Fortun 1996; Franklin 2000; Fujimura 2005).

Im Rest dieses Kapitels analysiere ich einen reichen Korpus von STS-Forschung, der sich kritisch mit Initiativen unter dem Banner der Wissenschaften vom Künstlichen befasst. Ich wende mich zuerst dem wichtigsten Feld des Natürlich-Künstlich-Experimentierens zu, nämlich dem Projekt, eine menschenähnliche Maschine zu entwerfen, und zwar in Form von künstlich intelligenten oder Experten-Systemen, von Robotik und computergestützten „Software-Agenten“. Das Interesse von Technikforscher_innen an diesem vielgestaltigen Großprojekt liegt weniger darin, es als eine „Wissenschaft vom Menschen“ zu betrachten, sondern vielmehr als einen machtvollen Ort, an dem spezifische kulturelle Annahmen über die Natur des Menschen und die Fundamente der Menschlichkeit als einer charakteristischen Eigenschaft dieser Spezies offenbar werden.

Als Nächstes wende ich mich Entwicklungen im Feld der Mensch-Maschine-Vermischungen zu, die in der Figur der Cyborg ihre Ikonografie gefunden haben und am deutlichsten im Falle von verschiedenen Körper-Augmentationen sichtbar geworden sind. Ich erweitere dann den Rahmen von der Figur des augmentierten Körpers hin zu breiteren Arrangements von Personen und Dingen, die ich unter dem Stichwort Soziomaterielle Assemblagen diskutieren werde. Ich schließe mit einer Reflexion über die (Vor-)Bedingungen und Möglichkeiten eines produktiven kritischen Austausches zwischen feministischen STS und gegenwärtigen Technoscience-Initiativen.

1 Dieser Beitrag ist in englischer Sprache zuerst erschienen in Hackett, Edward J.; Amsterdamska, Olga; Lynch, Michael & Wajcman, Judy (Hrsg.). (2008). The Handbook of Science and Technology Studies. Cambridge/Massachusetts, London/England: The MIT Press. Die Übersetzung des vorliegenden Beitrags hat Katrin M. Kämpf für die Zeitschrift GENDER angefertigt.
2 Übernommen von Simon 1990 [1969]. Ich kehre unten zu einer Analyse von Simons Gebrauch dieser Wendung zurück. Nützliche Überblicke über feministische STS im weiteren Sinne finden sich in Creager/Lunbeck/Schiebinger 2001; Harding 1998; Keller 1995, 1999; Mayberry/Subramaniam/Weasel 2001; McNeil 1987; McNeil/Franklin 1991. Einführungen und Anthologien zu Gender und Technologie sind Balka/Smith 2000; Grint/Gill 1995; Terry/Calvert 1997; Wajcman 1991, 1995, 2004; prägnante Case Studies finden sich in: Balsamo 1996; Cockburn 1988, 1991; Cockburn/Ormrod 1993; Cowan 1983; Martin 1991.
3 Zu verwandten Bereichen gegenwärtiger Forschung, die nicht in diesem Kapitel enthalten sind, gehören Künstliches Leben, computergestützte Kommunikation, Kultur- und Medienwissenschaften (insbesondere genaue und kritische Lektüren von Science Fiction und verwandten popkulturellen Genres) sowie feministische Kritiken von Reproduktions- und Biotechnologien. Meine Entscheidung, für dieses Kapitel einen eher engen Fokus zu wählen, ist (bedauernswerterweise) dem Pragmatismus geschuldet und kein Zeichen für die Unwichtigkeit dieser Bereiche, sondern im Gegenteil ein Zeichen für die Unmöglichkeit, ihnen auf dem geringen Raum gerecht zu werden. Zugleich versuche ich, einige prägnante Aspekte des Austausches zu zitieren, und betone die Wechselbeziehungen zwischen den verschiedenen Anliegen. Kritische, von feministischer Theorie informierte Diskussionen von Projekten des Künstlichen Lebens finden sich in: Adam 1998: Kapitel 5; Helmreich 1998; Kember 2003. Zu feministischen Arbeiten zum Bereich der computergestützten Kommunikation und der neuen Medien siehe Cherny/Weise 1996; Robertson 2002; Star 1995a; zu Reproduktions- und Biotechnologien vgl. Casper 1998; Clarke 1998; Davis-Floyd/Dumit 1998; Franklin/McKinnon 2001; Franklin/Ragoné 1998; Fujimura 2005; Hayden 2003; M’Charek 2005; Strathern 1992; Thompson 2005.
4 Anm. der Übersetzerin: Agency deckt im Englischen ein weites Feld an Bedeutungen ab, das von menschlicher Handlungsfähigkeit bis hin zu Wirkungspotenzialen von Artefakten reicht. Wie der Pickering-Übersetzer Gustav Roßler (2007) betont, gibt es kein deutsches Wort, das das ganze Bedeutungsspektrum abdeckt. Ich habe mich in Anlehnung an die Barad-Übersetzerin Jennifer Sophia Theodor (2015) dafür entschieden, teilweise mit dem Begriff der „Wirkmächtigkeit“ zu arbeiten, werde aber stellenweise auch den Begriff „Handlungsfähigkeit“ verwenden oder Agency unübersetzt lassen, um das im Text und im Begriff angelegte Spannungsfeld abzubilden.
5 Ich begrüße hier den Vorschlag von Ahmed et al.: „[W]enn Feminismus transformative Politik sein/werden soll, dann muss er sich vielleicht weigern, sich als programmatisch darzustellen“ (Ahmed 2000: 12).
6 Einige exemplarische Texte sind: Ahmed 1998; Ahmed et al. 2000; Berg/Mol 1998; Braidotti 1994, 2002; Castañeda 2002; Gupta/Ferguson 1992; Law 1991; Mol 2002; Strathern 1999; Verran 2001.
7 Siehe exemplarisch Franklin 2003; Franklin/Lury/Stacey 2000; Haraway 1995b [1991], 1997. In ihren frühen Schriften verwendet Haraway den verbindenden „/“, um Natur und Kultur  aneinanderzufügen, später hat sie dieses Überbleibsel dualistischen Denkens jedoch getilgt.
8 Zur definitiven Artikulation eines performativen Ansatzes bezüglich Normativität und Transgression siehe Butler 1997 [1993]. Siehe dazu auch den Aufruf von Ashmore, Wooffitt und Harding zu einer „Ablehnung der Lösung der Frage nach den Beziehungen zwischen Menschen und Nichtmenschen durch einen Rückgriff auf ‚essenzialistische ontologische Argumente‘, insbesondere im Hinblick auf agency“ (Ashmore/Wooffitt/Harding 1994: 1). Zur Zentralität von Kategorisierungspraktiken in wissenschaftlicher Praxis und Alltagshandeln siehe Lynch 1993; Bowker/Star 1999.

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