Fachtag „Inklusive Kindheiten in exklusiven Strukturen?“ am 15. Januar 2018

Ein Bericht

Von Marina Melles & Yasemin Aslanhan; Fotos Julia Schwafert

Fachtag Inklusive Kindheiten in exklusiven StrukturenDer Fachtag „Inklusive Kindheiten in exklusiven Strukturen?“, mit dem das Forum Inklusive Bildung das Wintersemester am 15.1.2018 abgeschlossen hat, war so gut besucht, dass die Stühle knapp wurden und in den hinteren Reihen körperliche Beschwerden auftraten. Das ist aber auch schon die einzige Bemängelung eines ansonsten besuchenswerten Fachtages. Andrea Platte und Donja Amirpur (beide TH Köln), die Herausgeberinnen des im Oktober erschienenen Handbuches Inklusive Kindheiten, formulierten einleitend den Wunsch nach kritischer Reflexion und radikaler Veränderung  und übergaben an Bedia Akbaş (Universität Oldenburg), Franz Krönig (TH Köln) und Nektarios Ntemiris (Münster), die als Autor*innen im Handbuch vertreten sind und über Zugehörigkeitsordnungen, Normierungspraxen, Verwertungslogiken sowie die Universalisierung und Pseudoindividualisierung in Bildungssystem und pädagogischen Ansätzen referierten.

Ntemiris hat offenbar einen besonders wichtigen Satz geschrieben, der ohne Absprache sowohl den ersten Teil des Fachtages als auch die diesen abschließende von Studierenden gestaltete Lesung abschloss: „In einer Welt, in der selbst Spaß und Freude nur noch einen Wert haben, wenn sie sich in die pädagogische Praxis integrieren können und in Leistungsbeurteilung übersetzbar sind, hat das Idealbild des employable man wirklich jeden Bereich unseres Lebens kolonisiert.“

Fachtag Inklusive Kindheiten in exklusiven StrukturenDie anschließende „Wandlungen“ benannte Phase bot Lese- und Diskussionsmöglichkeiten, wobei nach der längeren Vortragsphase die meisten erstmal zum selbst gebackenen Kuchen wandelten.

Wer dennoch die ein oder andere Wandlung unternommen hat, der oder die fand in einem abgeschirmten Bereich ein reges Schreibgespräch zu Fragen nach dem eigenen Verständnis von Inklusion, Diskriminierungserfahrungen oder individueller Förderung vs. Gemeinschaftsgestaltung. Im anderen Raum lagen ausgewählte Bücher und Textstellen aus dem Handbuch und aus Romanen aus, die im Seminar „Professionalisierung für die inklusive Kindheitspädagogik in der Migrationsgesellschaft“, deren Teilnehmer*innen den Fachtag mit vorbereitet haben, besonders beeindruckt hatten. Leider gab es darüber wenig Austausch, aber die oder der ein oder andere ist dort in konzentrierter Lektüre gesichtet worden und hat vielleicht für sich etwas mitnehmen können.

Fachtag Inklusive Kindheiten in exklusiven StrukturenEs folgten ein Interview mit Nilgün Filiz von der muslimischen Kita Amana in Köln und Marianne Münz von Selbstbestimmt Leben e.V. in Rheinland Pfalz, die in der Einschätzung übereinstimmten, dass sie beide in einer inklusiven Gesellschaft arbeitslos wären. Die abschließende Lesung mit von Studierenden ausgewählten Textpassagen zu „inklusiver Bildung“ konnte in ihrer Kürze den vielen Beiträgen des Handbuches kaum gerecht werden, eignete sich in Anbetracht der Zeit aber als Ausklang und konnte vielleicht anregen, auf den ein oder anderen Artikel aus dem Handbuch oder anderen Büchern neugierig zu machen. Externe Gäste betonten rückmeldend die „gastfreundliche und unbeschwerte Stimmung“ bei gleichzeitig „beeindruckend hohem Anspruch der Beiträge und Diskussionen“.

Insgesamt war es ein anregender, konstruktiver und sehr einstimmiger Fachtag, der mit einem Zitat aus dem Schreibgespräch zusammengefasst werden kann:

Was nehme ich mit vom Fachtag? „… dass es viele mutige Denker gibt, sie müssten nur lauter und frecher werden!“

Von Marina Melles & Yasemin Aslanhan; Fotos: Julia Schwafert