„Netzwerke schaden nur denen, die keine haben.“ – Interview mit Exposé-Autorin Jasmin Döhling-Wölm

Exposé Zeitschrift © Pixabay 2019 / Foto: picjumbo_com

Vor Kurzem ist das Pilotheft der neuen Exposé – Zeitschrift für wissenschaftliches Schreiben und Publizieren erschienen, herausgegeben von Barbara Budrich und Magdalena Gromada. Die neue Zeitschrift beleuchtet auf unterhaltsame Weise die verschiedenen Aspekte der Wissenschaftskommunikation – natürlich das Schreiben und Publizieren selbst, aber auch Karriereplanung, Förderoptionen und Finanzen. Die erste reguläre Ausgabe wird im April 2020 erscheinen.

Anlässlich des Pilothefts haben wir Jasmin Döhling-Wölm, Exposé-Autorin für das Thema wissenschaftliches Netzwerken, fünf Fragen zu ihrer Person und zur Zeitschrift gestellt.

 

1)     Liebe Frau Döhling-Wölm, bitte stellen Sie sich unseren Leser*innen kurz vor.

Jasmin Döhling-Wölm

Ich engagiere mich derweil seit über 20 in der Hochschulbildung. Da hatte ich so viele Rollen inne, wie die Lehrende, Studienberaterin, Arbeitsvermittlerin, Bildungs- und Wissenschaftsmanagerin, Coach, Key-Note-Speaker, Moderatorin, dass ich Karrierestrategien aus vielen Perspektiven beurteilen und beraten kann.

Ich selbst habe einige langjährige Jobs bereits während meines Studiums gehabt in der Krankenpflege, im Hospiz, im Einzelhandel eines britischen Mode- und Einrichtungslabels, in Bibliotheken, sodass ich früh wusste, wie man tragfähige Netzwerke aufbaut und ein Geschäft führen kann und aufbauen sollte. Das habe ich dann auch parallel zu einer befristeten Anstellung als Studienberaterin getan: Mich teilselbstständig gemacht mit unabhängiger Studien- und Karriereberatung und Personal- und Organisationsentwicklung. Gestartet habe ich in einem beratenden Unternehmerinnenzentrum, um als Start-Up auch an wichtigen Infos zum Beispiel zu steuerlichen und rechtlichen Aspekten einer Unternehmensführung direkt dran zu sein. Das war super hilfreich und mir einiges an Ärger erspart.

 

2)     Welchen Fehlern bei der Karriereplanung in der Wissenschaft begegnen Sie immer wieder bei Ihrer Arbeit?

  1. Dass viele sich zu abhängig machen von einzelnen Vorgesetzten.
  2. Die Plan-B-Falle. Oft werde ich nach Plan B für das Karriereziel gefragt. Man sollte aber eher eine solide Risikoabsicherung für Plan A haben und nicht nach Alternativen für das Ziel sondern nach Alternativen für die Netzwerkpartner*innen dahin.
    Die Erfahrung zeigt, dass in der Regel Plan B erreicht wird, weil das eh schon das Kompromisspaket war und als Rückfalloption als ausreichend empfunden wird. Das ist eine psychologische Falle. Auch weil es einfach nicht genug Power für die Plan A-Aktivitäten mehr gibt und in die Netzwerke zudem ambivalente Botschaften gesendet werden. Das zusammen lässt die Wahrscheinlichkeit des Erreichens von Plan A zunehmend kleiner werden.
  1. Dass sich häufig zu sehr auf die fachliche Exzellenz verlassen wird, diese aber oft nicht angemessen und/oder ausreichend sichtbar gemacht wird.

 

3)     Warum haben Sie sich dafür entschieden, Autorin für die Exposé zu werden?

Als mich Barbara Budrich fragte, ob ich mitmachen will bei einer offen zugängliche Infoquelle für heiße Tipps und hochwertige Infos mit Tiefgang für Wissenschaftler*innen zur Karriereplanung, habe ich sofort zugesagt. Noch immer haben nicht alle wissenschaftlichen Mirabeiter*innen Zugang zu seriösen und kritischen Karrieregestaltungsinformationen. Das hat unterschiedliche Gründe. Aber zumindest kann jetzt jede*r Zugang bekommen und sich selber auf den Weg machen. Die Kooperation auch an dieser Stelle mit dem VBB ist für mich eine großartige Gelegenheit meine eigenen Öffentlichkeitsarbeit und unsere Mittelbauinitiative bei karrierekunst 50%für100% auszubauen.

 

4)      Zu welchem Thema verfassen Sie Beiträge für die Zeitschrift?

Mein Expertise ist die kreative Karrieregestaltung im Sinne eines lebenslangen Design-Prozesses verbunden mit dem Fokus der strategischen Netzwerkentwicklung. Kreativ Ideen von sich und seinem Lebenskonzept zu entwickeln und dafür andere Menschen zu gewinnen ist das A&O jeder erfolgreichen Berufs- und Lebenswegkonzeption. Berufung ist für mich mehr, als nur eine bestimmte Position im Wissenschaftssystem zu erobern. Berufung ist ein an die eigene Biographie anschlussfähiges Handlungs- und Planungskonzept. Daher ist das Thema Karrierenetzwerke immer auch ein Thema des Rechts auf Selbstbestimmung, der Chancengerechtigkeit und der sozialen Diversität.

 

5)     Wenn Sie die Botschaft aus Ihrem aktuellen Exposé-Artikel in einem Satz zusammenfassen müssten, wie würde sie lauten?

Netzwerke schaden nur denen, die keine haben.

 

Erscheint bei Budrich:

3D Cover ExposéExposé – Zeitschrift für wissenschaftliches Schreiben und Publizieren

 

 

 

© Pixabay 2019 / Foto: picjumbo_com / Titelbild erstellt mit canva.com