„Fehlende finanzielle Bildung ist gerade in Akademikerkreisen ein Damoklesschwert.“ – Interview mit Exposé-Autorin Anette Weiß

Exposé Zeitschrift © Pixabay 2019 / Foto: picjumbo_com

Ende 2019 ist das Pilotheft der neuen Exposé – Zeitschrift für wissenschaftliches Schreiben und Publizieren erschienen, herausgegeben von Barbara Budrich und Magdalena Gromada. Die neue Zeitschrift beleuchtet auf unterhaltsame Weise die verschiedenen Aspekte der Wissenschaftskommunikation – natürlich das Schreiben und Publizieren selbst, aber auch Karriereplanung, Förderoptionen und Finanzen. Die erste reguläre Ausgabe erscheint im April 2020.

Anlässlich des Pilothefts haben wir Anette Weiß, Exposé-Autorin für das Thema Finanzen, fünf Fragen zu ihrer Person und zur Zeitschrift gestellt.

 

1)     Liebe Frau Weiß, bitte stellen Sie sich unseren Leser*innen kurz vor.

Weiß, Anette

Ich bin Anette Weiß, fast 50 Jahre alt, verheiratet, 2 Kinder und lebe mit unsere Familie, unseren beiden Katzen und dem Hund in Saarbrücken, direkt an der französischen Grenze. Beruflich war ich 20 Jahre lang begeisterte Bankfachfrau, habe ich aber nach dem Ausbruch der Finanzkrise selbständig gemacht, weil ich so enttäuscht darüber war, wie ignorant die etablierte Finanzbranche sowohl mit den Gründen als auch mit den Konsequenzen dieser Krise umgegangen sind.

Seither lebe und lehre ich Finanzbildung, um junge und erwachsene Menschen so wissensfit zu machen, damit sie ihr finanzielles Schicksal selbstbewusst und wissensfundiert selbst in die Hand nehmen können – finanzielle Allgemeinbildung ist nämlich leider immer noch kein Bestandteil dessen, was in Schule, Ausbildung oder Studium gelehrt wird.

 

2)     Welchen Fehlern bei der Karriereplanung in der Wissenschaft begegnen Sie immer wieder bei Ihrer Arbeit?

Leider ist die fehlende finanzielle Bildung gerade in Akademikerkreisen ein Damoklesschwert, welches aus mangelndem Interesse an dem zugegebenermaßen trockenen Thema sehr gerne verdrängt wird. Akademikerkarrieren verlaufen selten sehr geradlinig, das „Geld verdienen“ beginnt in der Regel erst in den späten 20-igern und dann steht ja auch erst einmal die Familienplanung und das berufliche Fußfassen im Vordergrund.

Die Beschäftigung mit dem Thema „Altersvorsorge“ erfolgt also meistens sehr spät – und umso später damit angefangen wird, umso schwieriger wird es. Wer aber gerade in der frühen Karriereplanung schon gleich wissensfundiert und ohne Angst über die spätere Rentenversorgung nachdenkt und sie mit einkalkuliert, hat es später nicht mehr schwer, sich finanziell solide im Leben – und im Alter! – aufzustellen.

 

3)     Warum haben Sie sich dafür entschieden, Autorin für die Exposé zu werden?

Weil ich von der großartigen Barbara Budrich gefragt wurde. 😉 Nein, Scherz beiseite. Es ist mir sehr wichtig, gerade auch in Akademikerkreisen ein stärkeres Bewusstsein dafür zu schaffen, dass wir uns in Sachen Altersvorsorge und Rente nicht mehr auf den Staat verlassen können und dürfen. Finanzkrise, Falschberatung, Pflegenotstand und Altersarmut sind hausgemachte – und unterm Strich gesellschaftliche! – Probleme, deren Lösung für uns nicht darin liegen kann, darauf zu hoffen, dass der Sozialstaat es richten wird.

 

4)      Zu welchem Thema verfassen Sie Beiträge für die Zeitschrift?

Meine Kolumne wird sich – natürlich – mit Finanzen beschäftigen. In der Hauptsache werde ich die Leser motivieren, eine gewissen Begeisterung für die eigenen Finanzen und das eigene finanzielle Wohlergehen zu entwickeln: Denn wie wir alle wissen, erfolgt echtes Lernen niemals über den Imperativ, sondern immer über den Konjunktiv.

Es ist viel erfolgversprechender, selbst zu entscheiden, was man im Leben finanziell erreichen will,  anstatt sich blind vertrauend der Finanzindustrie auszuliefern – oder, noch schlimmer – sich misstrauend komplett zu entziehen.

 

5)     Wenn Sie die Botschaft aus Ihrem aktuellen Exposé-Artikel in einem Satz zusammenfassen müssten, wie würde sie lauten?

Nur wenn wir ausrechnen können, wie teuer uns eine (Lebens-) Entscheidung zu stehen kommt, können wir überhaupt entscheiden, ob wir bereit sind, den Preis zu bezahlen.

 

Erscheint bei Budrich:

3D Cover ExposéExposé – Zeitschrift für wissenschaftliches Schreiben und Publizieren

 

 

 

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