Eine Frage an AutorInnen und LektorInnen

Nicht nur bei meinen Schreibworkshops (z.B. am 23.5.2014 an der MHH in Hannover) werde ich häufig gefragt, was „richtig“ ist – zum Beispiel mit Blick auf den „richtigen“ Stil von Dissertationen.

Wie haltet Ihr das, als AutorInnen und als LektorInnen? Wie findet Ihr die richtige Ansprache?

Übrigens: Das wird sicherlich auch ein Thema im Workshop zur Lektoratspraxis am 24./25.5.2014 in Berlin sein. Noch sind ein paar wenige Plätze frei – schnell anmelden!

5 Gedanken zu „Eine Frage an AutorInnen und LektorInnen

  1. Annette von Alemann Antworten

    Ich versuche so über Dinge zu schreiben, wie ich sie auch jemandem erklären würde, der mir gegenüber steht. So, dass ich es selbst verstehe. Und Zitate möglichst in eigenen Worten darzustellen. Denn der Respekt vor den schönen Formulierungen der anderen hindert uns daran, das, was wir sagen wollen, kurz und bündig darzustellen. Aber das gelingt meistens erst in einem zweiten Schritt: Texte werden mit jeder Überarbeitung besser.
    Natürlich gibt es Regeln für gute und richtige Sprache und gute Bücher, in denen man sie nachlesen kann. „Richtig wissenschaftlich schreiben“ von Helga Esselborn ist so ein Buch, „Frei geschrieben – Mut, Freiheit und Strategie für wissenschaftliche Abschlussarbeiten“ von Judith Wolfsberger ein anderes großartiges Buch, in dem die Autorin beschreibt, wie man und frau zu einem eigenen wissenschaftlichen Stil findet und wie wissenschaftliches Schreiben Freude machen kann.
    Ich mag Bücher und Aufsätze, in denen die Autorin oder der Autor das sprechende Ich verwendet: Ich stelle folgende These auf…. Ich gehe so und so vor. Ich komme zu dem Ergebnis, das… Das Ich wirkt frisch und selbstbewusst und lebendig. Glücklicherweise hält diese Art zu schreiben immer öfter Einzug in sozialwissenschaftliche Texte.
    Ich ermutige auch meine Studierenden, ihre offenen Fragen, Leseeindrücke und Erkenntnisse so zu beschreiben – denn das ist ihre eigenständige wissenschaftliche Leistung. Es ist wichtig, die Arbeiten anderer angemessen wiedergeben zu können – aber indem wir unsere Gedanken dazu formulieren, entwickeln wir sie weiter.

  2. Budrich Barbara Autor des BeitragsAntworten

    Danke – auch für die hilfreichen Literaturverweise! Ulrike Scheuermann spricht davon, die eigene Schreibstimme zu entwickeln. Ich finde das auch sehr wichtig – und es ist, wie Du sagst, Annette, die Texte werden oft durch Überarbeiten verbessert. Und auf dem Wege des Schreibens und Überarbeitens entwickeln wir unsere je ganz individuelle Schreibstimme.
    Allerdings habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass ein Zuviel an Überarbeiten möglich ist. Vor allem, wenn der Autor oder die Autorin alleine schreiben. Ich schreibe von daher gern mit anderen gemeinsam und tausche Texte aus: So können wir uns gegenseitig beim Schreiben unterstützen. Alternativ kann man sich natürlich auch eine Lektorin oder einen Lektor dazu holen.

  3. Korrekturlesen Masterarbeit Antworten

    Nun ja, der richtige Stil ist sicher der eigene. Wer an eine Dissertation arbeitet, hat bereits viele akademische Arbeiten geschrieben. Das hat dann also wohl gut funktioniert. Eine wissenschaftliche Schreibweise sollte den Doktoranden also bekannt sein. Falls man Probleme in der Ortographie hat, kann man sich ja durch ein Korrektorat oder Lektorat helfen lassen.

  4. Budrich Barbara Autor des BeitragsAntworten

    Danke für den Kommentar, Patrik Gebauer!
    Meine Erfahrung ist allerdings etwas anders: Den „eigenen Stil“ entwickelt man noch nicht im Studium – selbst, wenn man viel schreibt. Bis zur Dissertation sind akademisch Schreibende stark an die Vorgaben aus dem eigenen Fachbereich, von den BetreuerInnen etc. gebunden. Erst danach entwickelt sich eine wachsende Eigenständigkeit.
    Zudem habe ich die Erfahrung gemacht, dass vielfach „Soziologesisch“ und anderes Fachchinesisch gesprochen wird, dass auf gute Lesbarkeit und Verständlichkeit kein großer Wert gelegt wird und dass eine hohe Stellung in Akademia nicht automatisch bedeutet, gut schreiben oder gutes Schreiben gut vermitteln zu können.

    Dass es hilfreich ist, ein Korrektorat zu beauftragten, sehe ich auch. Welche Kriterien sollte man dafür anlegen? Welche Möglichkeiten gibt es, nicht die Katze im Sack zu beauftragen, sondern einen guten Eindruck von dem zu haben, was man erwarten kann?

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