Neuer Übersetzungspreis „eduimpact award“ fördert internationale Sichtbarkeit von Wissenschaftlerinnen

eduimpact award 2019

2019 vergibt das Consulting-Institut karrierekunst gemeinsam mit dem Gleichstellungsbüro der Universität Vechta erstmalig den Übersetzungspreis eduimpact award. Wir haben mit Jasmin Döhling-Wölm, Geschäftsführerin bei karrierekunst sowie Budrich-Autorin, und Christina Plath, Referentin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Gleichstellungsbüro der Uni Vechta, über den Preis gesprochen.

 

Liebe Frau Döhling-Wölm, liebe Frau Plath, was ist der eduimpact award und für wen ist er gedacht?

JDW: Der eduimpact award von karrierekunst ist ein Wissenschaftskommunikationspreis und hat das Ziel, innovative Ideen von Forscherinnen der Erziehungs- und Bildungswissenschaften international sichtbarer und nutzbar zu machen. Mit diesem Ziel umfasst der eduimpact award eine komplette und wissenschaftssprachlich fundierte Übersetzung ins Englische im Wert von 300,- Euro durch eine Wissenschaftsübersetzerin und Lektorin bei karrierekunst. Damit verfolgt der Preis vor allem das strategische Ziel, die Sichtbarkeit der Expertise von Wissenschaftlerinnen zu verbessern und die Internationalisierung der pädagogischen Forschungsdisziplinen voranzutreiben. Details zum Preis sowie die Bewerbungskriterien sind auf der Website des eduimpact award zusammengefasst.

CP: Wie der Name bereits verdeutlicht, geht es darum, den Impact von (fast) promovierten Wissenschaftlerinnen in ihrem Fach, den Bildungs- bzw. Erziehungswissenschaften, national wie auch international zu erhöhen. Der Preis dockt direkt am wissenschaftlichen Alltag der Forscherinnen an: Veröffentlichungen sind eine der zentralen Einheiten, in denen Wissenschaftskarrieren aktuell „gemessen“ werden. Dieser Umstand ist an mehreren Stellen, gerade aus Sicht der Gleichstellung, sicherlich kritisch zu reflektieren. Der Fokus des eduimpact award liegt jedoch auf der Unterstützung der Wissenschaftlerinnen zumindest für einem Teil des intensiven und häufig doch recht mühsamen Weges zur fertigen Publikation.

 

Wie kam die Idee zustande, einen solchen Preis ins Leben zu rufen? Was ist Ihre persönliche Motivation hierbei?

JDW: Als Karrierecoach in der Wissenschaft erlebe ich täglich, dass exzellente Ideen von Wissenschaftlerinnen in den Publikationsnetzwerken oft nicht wirksam transportiert werden. Das ist auch erkennbar an den Publikationslisten. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe, die teilweise mit Machtverhältnissen in Hochschulen zu tun haben, mit Geschlechterverhältnissen in bibliographischen Bezügen und vor allem mit Ressourcenmangel in Bezug auf Zeit, Supportstrukturen und Geld.

Internationale Publikationen sind eine Form der Währung in den wissenschaftlichen Karriereverläufen. Da Englisch die Verkehrssprache der internationalen Wissenschaftsgemeinschaft ist, müssen also Texte, die Einfluss nehmen sollen, bei Verlagen auch in professionellem Englisch eingereicht werden. Viele Erziehungs- und Bildungswissenschaftler*innen unterschätzen das jedoch oder haben nicht die personellen bzw. finanziellen Ressourcen in ihren Netzwerken, sich dies zu ermöglichen.

CP: Wir haben uns im Gleichstellungsteam sehr über die Realisierung des eduimpact awards gefreut. Zum einen unterstützt er Wissenschaftlerinnen in ihrer individuellen Karriereentwicklung, in dem er an einer ganz konkreten Stelle innerhalb der Publikationserstellung greift. Essentiell ist dabei die sichere und professionelle Verwendung der englischen Sprache. Diese für viele bestehende Hürde soll durch den Preis verringert werden. Der dadurch beabsichtigte Impact geht dabei weit über die eigentliche Preisträgerin(nen) hinaus: Er soll zeigen, dass die individuelle internationale Sichtbarkeit nichts ist, dass komplett alleine, ohne Hilfe von außen geschafft werden muss – oder ansonsten eben nicht realisiert wird!

 

Gibt es bereits eine erste Resonanz zum eduimpact award und falls ja, wie schaut diese aus?

JDW: Die ersten Reaktionen, die bei mir ankamen, waren die Fragen ‚warum nur Frauen’ und ‚warum wurden nicht wir gefragt als Hochschule’. Zur ersten Frage habe ich ja schon etwas klargestellt. Zur zweiten Frage kann ich nur sagen, dass ich den Preis mit einem starken und strategisch operativen Gleichstellungsfokus kooperativ und partizipativ vergeben will. In diesem Kontext hat Christina Plath den Preis für das Gleichstellungsbüro der Universität Vechta erfolgreich und überzeugend eingeworben. Zudem steht es jeder Hochschule frei, Fördergelder in diesem Sinne zu widmen. Der eduimpact award von karrierekunst ist ja selber eine Anregung nach dem Motto: Kleiner Hebel, große Wirkung!

CP: Ich bin Jasmin und karrierekunst sehr dankbar für den Preis und finde die Idee dahinter genial. Da einer der Profilschwerpunkte der Universität in der Lehramtsausbildung liegt, passt der eduimpact award sehr gut in die universitären Bestrebungen der Nachwuchsförderung – nicht zuletzt um neben dem Schuldienst die Wissenschaft als weitere Karriereoption sichtbarer zu machen. Als Team des Gleichstellungsbüros, in dem ich als Referentin und wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig bin, engagieren wir uns bereits mit unterschiedlichen Maßnahmen für eine Steigerung der Repräsentanz und Sichtbarkeit der Wissenschaftlerinnen auch im Mittelbau – der eduimpact award ist eine weitere wichtige Maßnahme zur Erhöhung der Sichtbarkeit und Unterstützung von Wissenschaftlerinnen auf ihrem individuellen Karriereweg.

 

Wie planen Sie die Zukunft des Preises? Wird es eine jährliche Ausschreibung geben?

JDW: Auf jeden Fall! Es geht mir darum, nachhaltige Supportstrukturen zu schaffen und dauerhaft zur Nachahmung anzuregen. Der eduimpact award wird in 2019 erstmalig und in Kooperation mit dem Gleichstellungsbüro der Universität Vechta vergeben, mit dem ich auch das weitere Vorgehen entwickle.

CP: Wir sind ebenfalls sehr an einer langfristigen, strukturell verankerten Förderung interessiert. Im Rahmen der erstmaligen Vergabe wollen wir Erfahrungen sammeln und im Anschluss Resümee ziehen. Unser Ziel ist es wie bereits geschildert, die Sichtbarkeit versierter Wissenschaftler*innen auch unterhalb der Professur zu erhöhen. Die strukturell verankerte Vergabe von Preisen stellt dabei eine von mehreren Maßnahmen dar, die uns wichtig sind. Der eduimpact award gehört ganz klar dazu!

 

Jasmin Döhling-Wölm und Christina Plath im Kurzportrait

Doehling-Woelm Portrait

Jasmin Döhling-Wölm wirkt seit 1997 in verschiedenen Funktionen als Coach, Consultant, Trainerin, Supervisorin, Keynote-Speaker, Fachautorin und Ausbilderin für Strategie- und Netzwerkberater*innen an der akademischen Personalentwicklung sowie Schul- und Hochschulentwicklung. Als Pädagogin und Wissenschaftsmanagerin baute sie an den Universitäten Hannover, Bremen und Oldenburg wissenschaftlich konzipierte Lehr- und Personalentwicklungsprogramme für Studierende, Forschende und Lehrende auf. Sie gründete bereits 2001 das Consulting-Institut für akademische Karriereentwicklung karrierekunst mit dem heutigen Sitz in Bremen.

Plath Portrait

Christina Plath ist Psychologin, Wissenschaftlerin, systemische Supervisorin in Ausbildung und seit Februar 2018 als Referentin und wissenschaftliche Mitarbeiterin Mitglied des Gleichstellungsbüros der Universität Vechta tätig. Dort ist sie u.a. für den Transfer zwischen Forschung und Praxis zu Chancengerechtigkeit und Gleichstellung sowie für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und damit zusammenhängenden Aspekten der Chancengerechtigkeit zuständig.

 

© Foto: karrierekunst | Consulting-Institut für akademische Karriereentwicklung