DEAL – So werden Großkonzerne für „Double-Dipping“ belohnt

Im Rahmen des Projekts DEAL wird das Ziel verfolgt, bundesweite Lizenzverträge für das gesamte Portfolio elektronischer Zeitschriften (E-Journals) großer Wissenschaftsverlage ab dem Lizenzjahr 2017 abzuschließen. Dabei wird eine signifikante Änderung gegenüber dem gegenwärtigen Status Quo bei der Verhandlung, den Inhalten und der Preisgestaltung angestrebt. Durch die Effekte eines Konsortialvertrages auf Bundesebene sollen die einzelnen Einrichtungen finanziell entlastet und der Zugang zu wissenschaftlicher Literatur für die Wissenschaft auf breiter und nachhaltiger Ebene verbessert werden. Zugleich soll eine Open-Access-Komponente implementiert werden. — DEAL-Webseite Zugriff: 30.4.2018

Double-Dipping – der unfaire Ausgangspunkt

Es ist schon einige Jahre her, dass die DFG zu einer Konferenz zur Lage der wissenschaftlichen Zeitschriften geladen hatte. Ich erinnere mich gut, wie stolz der Redakteur einer der Zeitschriften darauf war, dass seine Zeitschrift

  • über 20.000 Euro Abonnementsgebühren je institutionelles Abonnement pro Jahr verlangen und
  • zusätzlich vierstellige Article Processing Charges (APCs) für die Open Access-Veröffentlichung einzelner Beiträge berechnen konnte.

Das war die Situation vor allem im Bereich der internationalen STM-Zeitschriften, die hauptsächlich bei internationalen Großkonzernen erscheinen. Und diese Situation war unbefriedigend für all jene Stellen, die zweimal zahlen mussten: wissenschaftliche Einrichtungen, Hochschulen usw.

Ein „DEAL“ und alle profitieren?

Die Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen – vertreten durch die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) – hat sich ein Gegengift einfallen lassen: Zur „Belohnung“ für ihre unfaire Haltung sollen mit drei internationalen Großkonzernen Nationallizenzen verhandelt werden. Für viel Geld haben diese Großkonzerne genau einen Verhandlungspartner, mit dem sie dann – jahrein, jahraus – einen DEAL abschließen können. Und alle profitieren:

  • Die einschlägigen Wissenschaftsinstitutionen können ihren WissenschaftlerInnen „kostenlosen“ Zugang zu den so mit Steuergeldern finanzierten Zeitschriften gewähren.
  • Die WissenschaftlerInnen aus dem deutschsprachigen Raum bekommen obendrein „kostenlose“ Open Access-Veröffentlichungen (so jedenfalls das Verhandlungsziel).
  • Die Verlage bekommen das Geld direkt von einer Stelle und brauchen nicht mit unterschiedlichen Partnern zu verhandeln.

Eine Win-win-win-Situation für alle Beteiligten… für wirklich alle Beteiligten?

Ein „DEAL“ – und der Wettbewerb ist Geschichte

Während die internationalen Großkonzerne einen Großteil der Steuergelder nun direkt aus einer Hand bekommen, bleiben die übrigen rund 600 Bildungs- und Wissenschaftsverlage allein in Deutschland außen vor.

Das Kartellamt hat kein Problem mit dieser Art des „Wettbewerbs“ – die Beschwerde das Börsenvereins blieb folgenlos (das Börsenblatt berichtete).

Es ist nur ein DEAL, wenn alle mitspielen

Ich sehe das so: Wenn der digitale Zugang zu Fachzeitschriften und das Open Access-Publizieren in Fachzeitschriften auf der Basis von Nationallizenzen gefördert werden soll: fein. Aber dann nicht so, dass allein internationale Großkonzerne staatlich subventioniert werden!

Wie wäre es, wenn die Allianz der Wissenschaften auch mit Verlagen ins Gespräch ginge, deren Jahresabonnements für Fachzeitschriften weit niedriger sind und die angemessene Verwaltungs- und Entschädigungsbeiträge für den Übergang einzelner Beiträge in den Open Access verlangen?

Wie wäre es, wenn es z.B. den Fachgesellschaften obliegen würde, einschlägige Zeitschriften für Nationallizenzen auszuwählen, um nicht den STM-Bereich zum exklusiven, führenden Wissenschaftsbereich zu erklären?

Wie wäre es, wenn die Beträge, die je Zeitschrift zur Verfügung stünden, gedeckelt würden, sodass noch Budget übrig ist, wenn die „STM-Heuschrecken“ über das Land gezogen sind?

Es wäre großartig, wenn sich daraus Gespräche im Sinne der Wissenschaften ergeben würden. Nicht nur im Sinne der Naturwissenschaften und nicht nur im Sinne der Großkonzerne.