„Gemeinsam mit den Verlagen versuchen wir, den Autor*innen das Open-Access-Publizieren zu erleichtern.“ – Interview mit Dagmar Schobert, Universitätsbibliothek der TU Berlin

Open Access

Dagmar Schobert hat Anfang Februar unseren Verlag besucht. Wir freuen uns, dass Frau Schobert den Weg auf sich genommen hat, um einen Einblick in unsere Arbeit zu erhalten.

Portrait Dagmar Schobert
Dagmar Schobert ©privat

Dagmar Schobert hat Arbeitswissenschaften und Maschinenbau studiert, sie ist seit 2013 an der Universitätsbibliothek der TU Berlin tätig und dort mit ihrer Abteilung zuständig für die Weiterentwicklung der Themen rund um das Management der Publikationen der Wissenschaftler*innen der Universität: Open Access, Universitätsverlag der TU Berlin, Dissertationsstelle der TU Berlin, ORCID und Bibliometrie. Zudem ist sie gemeinsam mit Margo Bargheer Sprecherin der AG Universitätsverlage, in der 25 deutschsprachige Universitätsverlage Deutschlands, Österreichs und Italiens organisiert sind.

 

Sie sind Open-Access-Beauftragte der Universitätsbibliothek der TU Berlin. Wie sind Sie zu dieser Tätigkeit gekommen?

Um das Open-Access-Publizieren an der TU Berlin als Publikationsstrategie zu etablieren, sind wir mehrgleisig vorgegangen. Zunächst haben wir bei uns selbst begonnen und eine Open-Access-Leitlinie für die Universitätsbibliothek (externer Link) verabschiedet. Eine der Maßnahmen daraus war die Benennung einer Open-Access-Beauftragten der Bibliothek. Das war aber nur der Start.

Wenig später wurde vom Präsidium der TU Berlin Frau Prof. Vera Meyer als Open-Access-Beauftragte der TU Berlin ernannt. Es war uns wichtig, dass diese Aufgabe von einer Vertreterin aus der Wissenschaft übernommen wird. Wir arbeiten eng mit ihr zusammen. Sie berät das Präsidium in allen Fragen rund um das Thema Open Access und Open Science. Ein großer gemeinsamer Erfolg war 2017 die Verabschiedung der Open-Access-Policy (externer Link) der TU Berlin.

 

Was genau interessiert Sie am Thema Open Access?

Das Thema OA begleitet mich schon viele Jahre meines Berufslebens. In den letzten Jahren hat es noch einmal eine besondere Dynamik und Komplexität bekommen. Ich mag das Thema, weil es ein großes Feld ist, das zu gestalten ist; ein Feld, auf dem viel Innovation möglich ist und neue Services etabliert werden können. Nicht zuletzt bin ich sicher, dass eine bessere Sichtbarkeit aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse dem Forschungsprozess nutzt.

 

Vor welchen Herausforderungen stehen Universitätsbibliotheken aktuell und künftig in Bezug auf Open Access?

Die Wissenschaftler*innen müssen schnell und rechtssicher auf vorhandene Veröffentlichungen zugreifen können und sie wollen mit ihren Forschungsergebnissen gut sichtbar sein. Wir setzen bei einer umfassenden Publikationsberatung an. Aber wir unterstützen das Open-Access-Publizieren auch praktisch, einerseits durch finanzielle Unterstützung aus unseren Publikationsfonds für Aufsätze in Open-Access-Zeitschriften bzw. für Open-Access-Bücher und andererseits durch Services rund um den Grünen Weg der Zweitveröffentlichung.

Die Herausforderungen im Alltag sind vielfältig. Beispielhaft vier ganz unterschiedliche Themen:

1) Für die Förderung von Open-Access-Monografien existieren bereits Geschäfts- und Fördermodelle, sie sind aber noch nicht etabliert. Deshalb sind wir in intensivem Austausch mit Verlagen und Wissenschaftler*innen.
2) Bisher sind die Open-Access-Themen in der Bibliothek vor allem in einer Abteilung konzentriert. Open Access ist dabei, mehr und mehr in die Mitte der Bibliothek zu rücken.
3) Ein großes Thema sind Transformationsverträge, über die einerseits der lesende Zugriff und anderseits das Open-Access-Publizieren bezahlt wird. Hier gilt es, neben den Kosten die Fairness und die tatsächliche Transformationsabsicht im Blick zu behalten.
4) In Forschungsprozessen gewinnt die Nachnutzung von Daten zunehmend an Bedeutung und Veröffentlichungen erscheinen immer häufiger als enhanced Publications – als Texte verbunden mit Forschungsdaten. Forschungsdatenmanagement ist ein neues großes Thema für Bibliotheken.

 

Wie stellt sich die Situation in Bezug auf Hochschulverlage dar?

Die Aufgabe von Universitätsverlagen ist im Wesentlichen die Veröffentlichung von Publikationen der eigenen Hochschule in Schriftenreihen der Lehrstühle und Institute. Sie sind reine Open-Access-Verlage, veröffentlichen ihre Publikationen wann immer möglich unter freien Lizenzen und lassen sich von den Autor*innen einfache Nutzungsrechte übertragen. In den Universitätsverlagen erscheinen neben Dissertationen auch wissenschaftsberichtende Formate, die in kommerziellen Verlagen häufig wenig Chancen haben. Universitätsverlage verstehen sich nicht als Konkurrenz zu kommerziellen Verlagen, sondern als ergänzendes Angebot einer einrichtungsnahen Publikationsinfrastruktur, das häufig auch identitätsbildend und in Verbundenheit zur eigenen Einrichtung gewählt wird. Die Herausforderungen der Zukunft liegen sicher in der Professionalisierung der Angebote.

 

Worauf müssen Wissenschaftler*innen in den Geisteswissenschaften aus Ihrer Sicht achten, wenn sie Werke Open Access publizieren wollen?

Geisteswissenschaftler*innen haben mit ihrer überwiegend monografischen Publikationstradition andere Voraussetzungen als sie z. B. Autor*innen aus den MINT-Fächern mitbringen. Aber auch hier entstehen mehr und mehr Open-Access-Publikationen. Immer mehr Verlage etablieren Open-Access-Geschäftsmodelle und bieten neben traditionellen Veröffentlichungswegen auch die Open-Access-Publikation an. Gemeinsam mit den Verlagen versuchen wir Wege zu finden, den Autor*innen das Open-Access-Publizieren zu erleichtern. Wir empfehlen Wissenschaftler*innen, sich frühzeitig mit uns in Verbindung zu setzen, damit wir die Anforderungen und Vorstellungen aller beteiligter Parteien abstimmen können.

 

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