Corona zahlt keine Gehälter

Boot Ebbe © Pixabay 2020 / Foto: rauschenberger

Warum stellen Sie uns in der Krise die Literatur nicht kostenlos zur Verfügung?

Diese unschuldige Bitte oder auch unverhohlene Forderung erreicht uns von verschiedenen Seiten. Gern von Menschen, deren Gehalt vom Staat gezahlt wird. Deren Pension sicher ist. Jedenfalls so sicher wie unsere Staaten nach der Krise sein werden. Falls die Wirtschaft wieder anläuft. Falls die Steuergelder wieder sprudeln. Ich bin Unternehmerin. Also bin ich Optimistin. Ich gehe davon aus, dass es auch „Post-Corona“ noch ein Wirtschaftsleben geben wird, dass Unternehmen – auch wir – wieder unsere Steuern zahlen werden.

Ich bin Unternehmerin. Also bin ich Pessimistin

Doch als Unternehmerin trage ich auch Verantwortung. Die Art von Verantwortung, die in Krisenzeiten dafür sorgt, dass Nächte kurz und unruhig sein können. Kurze und unruhige Nächte kennt in dieser Krise jede*r, der oder die jemanden oder etwas zu verlieren hat – vom ungekürzten Gehalt, bis hin zur Angst um Ältere und Kranke oder um das eigene Leben. Somit bin ich keine Ausnahme.

In Zeiten wie diesen proben Unternehmer*innen Worst-case-Szenarien. Wir versuchen zu berechnen, was kommen könnte. Was passiert, wenn der Umsatz zurückgeht? Was passiert, wenn der Umsatz auf null geht? Wie lange können wir überleben, wenn die Fixkosten weiterlaufen, der Umsatz auf null bleibt?

Was bei mir und meinesgleichen aber anders ist: Wir arbeiten mit diesen Bildern, und wir schauen weiter in die Zukunft. Wir kennen das Leben von der Hand in den Mund in harten Zeiten – wenn nicht selbst, dann aus den Erzählungen unserer Unternehmensgründer*innen. Ich habe mein Unternehmen selbst gegründet und kenne diese ganz grundlegende wirtschaftliche Existenzangst, von der wir als Unternehmen heute weit entfernt sind.

Niemand möchte von der Hand in den Mund leben. Und schon gar nicht, wenn noch Gehälter, Steuern, Sozialversicherungsbeiträge, Miete und andere Fixkosten zu decken sind. Von dem Geld, das wir erwirtschaften, leben andere Menschen, andere Unternehmen und Organisationen, von unseren Steuern lebt der Staat. Wenn wir unsere Publikationen der öffentlichen Hand kostenlos zugänglich machten, würden wir nicht nur keine Umsätze machen und unserem Unternehmen schaden.

Wenn wir dadurch unsere Umsätze mehr beschädigen, als es krisenbedingt unausweichlich ist, sollen wir dann Staatshilfe beantragen? Das wäre mittelfristig die Konsequenz.

 

Hilfe für die Bedürftigen in Wirtschaft, Gesellschaft und der Welt

Ich bin sehr dafür, dass in der aktuellen Krisenzeit diejenigen massiv unterstützt werden, die es nötig haben. Ich begrüße ausdrücklich die von der Regierung zugesagten Hilfspakete – vor allem die nicht rückzahlbare Unterstützungen für die vielen mutigen Solopreneure, Künstler*innen und Freiberufler*innen, denen das Wasser von einem Tag auf den anderen bis zum Hals stand – und mittlerweile höher steht.

Diese Hilfen brauchen wir, pragmatisch und noch viel schneller als schnell.

Wir sind als Unternehmen in der Lage, ohne diese Hilfen zu überleben. Solange wir unsere Angebote verkaufen dürfen. Die Gelder, die wir so erwirtschaften, sind keine Almosen, sondern ein faires Entgelt für erbrachte Leistungen. Die wir verstreut im Homeoffice weiterhin mit viel Engagement und Begeisterung erbringen. Wir sind ein starkes Team. Wir halten auch und gerade in diesen schwierigen Zeiten zusammen und unterstützen unsere Kund*innen und Partner*innen nach Kräften – auch wenn die Nerven blank liegen und nicht wenige Schwierigkeiten haben, die aktuelle Unsicherheit auszuhalten.

Wäre ich auf Almosen angewiesen, würde ich sie in einer Zeit wie heute in Anspruch nehmen, solange und in der Höhe, wie es sein müsste. Aber warum sollte ich meine Ressourcen verschenken, um mich in eine solche Position zu begeben?

Stattdessen kümmere ich mich seriös und unaufgeregt um eine möglichst langfristige Sicherung meines Unternehmens. Und spende weiterhin für diejenigen Menschen und Organisationen, die es jetzt mehr brauchen denn je:

  • der Bundesverband der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe, wo zurzeit Hochkonjunktur herrschen dürfte. Wenn die chinesische Erfahrung ein Indikator ist, dann dürften die Fälle häuslicher Gewalt in diesen Zeiten auch anderswo in der Welt dramatisch steigen;
  • und vor allem die Organisationen, die sich um die Flüchtlingslager kümmern und um die Ärmsten der Armen. Die Auswirkungen der Pandemie werden – wie alle Krisen – die Ärmsten am härtesten treffen.

Wenn Sie als Privatperson der Buchbranche etwas Gutes tun möchten, bestellen Sie Ihre Bücher gern über die Online-Shops Ihres lokalen Buchhandels. buchhandlung-finden.de finden Sie Buchhandlungen in Ihrer Nähe.

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Hier finden Sie weitere Beiträge zum Thema: zum Verlegen und Open Access in Zeiten von Corona.

 

© Pixabay 2020 / Foto: rauschenberger