Der wissenschaftliche Beirat: Prof. Dr. Barbara Holland-Cunz

Der wissenschaftliche Beirat im Interview

Seit vielen Jahren wird der Verlag Barbara Budrich von einem engagierten wissenschaftlichen Beirat unterstützt. Die Mitglieder dieses Beirats sind mit einem oder mehreren unserer Fachbereiche (Erziehungswissenschaft, Gender Studies, Politikwissenschaft, Soziale Arbeit, Soziologie) sehr vertraut und stehen uns aktiv bei unserer Programmentwicklung zur Seite.

Im Rahmen dieser Rubrik stellen wir in unregelmäßigen Abständen die Mitglieder unseres Beirats vor.

 

Holland-Cunz, BarbaraName: Prof. Dr. phil. Barbara Holland-Cunz

Fachbereich: Politikwissenschaft

Kurzvita: Studium der Politikwissenschaft, Soziologie und Germanistik in Frankfurt am Main, Promotion 1988, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Goethe-Universität 1988-1993, Habilitation 1993, Hochschullehrerin an der Freien Universität Berlin für das Fachgebiet Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Frauen- und Geschlechterforschung 1993-1995, 1995-2019 Professorin an der Justus-Liebig-Universität Gießen für das gleiche Fachgebiet, 2005-2017 Leiterin der Arbeitsstelle Gender Studies der JLU. Seit einigen Monaten im so genannten Ruhestand. In vier Jahrzehnten zahlreiche universitäre und fachpolitische Funktionen, u.a. Vorsitz des Ständigen Ausschusses für Fragen der Frauenförderung und Mitglied der Ethik-Kommission der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft (DVPW).

 

Mein Forschungsbereich:

Da ich schon als Schülerin politisch aktiv war, kam nur Politikwissenschaft als Studienfach in Frage. Als ich 1976 mein Studium in Frankfurt am Main begann, lehrte dort Iring Fetscher Politische Theorie und Ideengeschichte – bis heute prägt dieser bedeutende akademische Lehrer den Fokus meiner Arbeit. Ulrike Prokop, Silvia Kontos, Silvia Bovenschen und Karin Walser waren meine inspirierenden Dozentinnen in der Frauen- und Geschlechterforschung. Die Verbindung zwischen dem alt-ehrwürdigsten Gebiet meines Faches und der aktuellen Befassung mit Geschlechterpolitiken in Vergangenheit (feministische Ideengeschichte), Gegenwart (von den Gleichstellungs- bis zu den Wissenspolitiken) und Zukunft (Utopien und Dystopien) hat nie aufgehört mich zu faszinieren. Dazu kommen wissenschaftstheoretische sowie ökologische/naturphilosophische Fragen. Alle Forschungsfelder kreisen um die Frage nach der notwendigen Demokratisierung der Demokratie.

 

Zu dieser konkreten Fragestellung forsche ich derzeit:

zu Leben und Werk von Helge Pross (1927-1984), eine der ersten und profiliertesten Wissenschaftlerinnen der Bundesrepublik Deutschland, die sich Geschlechterfragen wissenschaftlich und politisch gewidmet hat. Pross war von 1965 bis 1976 Professorin in Gießen, hat umfangreiche empirische Studien zur Realität von Frauen seit den 1960er Jahren vorgelegt und bedeutenden Einfluss in Politik und Wissenschaft gehabt. Pross´ ausdrückliches Anliegen: „Herstellung von Demokratie auch für Frauen“. In meiner Forschungsarbeit kreuzen sich (auto)biographische, ideen-, bewegungs- und wissenschaftsgeschichtliche Interessen auf spannende Weise. – Daneben befasse ich mich gegenwärtig mit der feministischen Rezeption des wichtigsten liberalen Politischen Theoretikers des 19. Jahrhunderts: John Stuart Mill.

 

Meine letzten Publikationen im Verlag Barbara Budrich:

Bei Barbara Budrich habe ich drei meiner sieben Monographien publiziert, zuletzt 2014 Die Natur der Neuzeit, einen Einführungstext zu 500 Jahren Geschlechter- und Naturverhältnissen. 2015 edierte ich gemeinsam mit Jenny Bünnig, Sigrid Metz-Göckel und Amrei Sander den Schwerpunkt Intellektuelle Frauen der Zeitschrift Gender. Das ist beides nun schon einige Jahre her und es wird deshalb höchste Zeit, dass die Pross-Monographie endlich fertig wird!

 

Was ich dem wissenschaftlichen Nachwuchs mit auf den Weg geben möchte:

Die heutige Wissenschaftskultur suggeriert, die akademische Karriere sei ein exakt planbarer und im wahrsten Sinne des Wortes berechenbarer Weg, bei dem es nur darauf ankommt, die richtigen Leute, Institutionen, journals zu beeindrucken. Doch es gibt keine gute Wissenschaft ohne die ganz altmodische Leidenschaft für die Sache, ohne ein Vertiefen in den „Gegenstand“ vor dem vielleicht messbaren Ertrag und Erfolg.

 

Darum bin ich Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Verlags Barbara Budrich:

„Meinem“ Verlag etwas „zurückzugeben“ (so heißt das ja heutzutage) ist mir, trotz dieser allgegenwärtigen Floskel, eine wirkliche Herzensangelegenheit.

 

Sie möchten mehr über unseren wissenschaftlichen Beirat erfahren?

Auf unserer Beiratsseite finden Sie alle wichtigen Informationen auf einen Blick.

 

© Autorinnenfoto: Barbara Holland-Cunz; Titelbild gestaltet mit canva.com