Autorin des Monats Oktober 2016

5 Fragen an unsere Autorin Jasmin Döhling-Wölm

 

1. Welches ist die wichtigste Herausforderung für Ihren Fachbereich in den nächsten Jahren?

Für die kommenden Jahre werden meines Erachtens vier große Herausforderungen im Bereich der akademischen Personalentwicklung die Diskussionen prägen.

Jasmin Döhling-WölmDa ist zum einen die zunehmende Bedeutung der Internationalisierung von akademischen Karrieren zu nennen. Während zum Beispiel die Ingenieurwissenschaften, Informatik, Sozialwissenschaften und größtenteils auch die Naturwissenschaften in der Regel im Umgang mit englischsprachiger Literatur vertraut sind, gibt es da noch Nachholbedarf in den Geistes- und Erziehungswissenschaften. Der Umgang mit internationalen Inhalten, Veröffentlichungen und Kooperationspartner_innen ist jedoch eine elementare Basis für die Karriereoptionen nicht nur in der science community.

Allerdings darf man bei aller Anglophonisierung nicht die länderspezifischen Kommunikationsregeln und Rituale vernachlässigen. Mother Tongue ist in allen Ländern Amts- und Alltagssprache. Damit verbunden ist auch die Fähigkeit zur Integration in eine Sprachgemeinschaft auf Arbeitsebene. Es ist verstärkt das Design multilingualer Trainings, Lehr- und Coachingformate voranzubringen. Damit sind Formate gemeint, die es ermöglichen, sowohl die gemeinsame Arbeitssprache, in der Regel Englisch, als auch Landessprache in der Interaktion zu nutzen. Diese Maßnahmenentwicklung bezieht sich dann auch auf einen Teil der Diversityaktivitäten. Andernfalls gaukelt man Karriereoptionen vor, wo die Realität das Versprechen nicht halten kann.

Zudem bleibt die reale Gleichstellung von Mann und Frau auch in Führungsebenen der Wissenschaft eine Handlungsdimension.

Es ist ferner abzuwarten, wie sich die veränderten finanziellen Rahmenbedingungen, der Rückgang der Drittmittelfinanzierung, in der akademischen Personalentwicklung strukturell und personell auswirken. Da bleibt noch einiges offen.

2. Warum sollte jemand unbedingt in Ihrem Forschungsbereich tätig werden?

Wenn ich mich auf die Karriereforschung mit dem Blickwinkel auf die akademische Personalentwicklung beziehe, so sind noch viele Fragen offen. Unter anderem, sind die Prozesse von Commitment und Entwicklung transversaler Karriereverläufe, wie ich sie ja zum Beispiel in meinem aktuellen Buch skizziere, interessante Untersuchungsobjekte. Die eher anglo-amerikanisch geprägte karriererelevante Forschung aus Soziologie, Erziehungswissenschaft und Psychologie bietet ja schon eine Vielzahl an Antworten auf Karriereprozesse. Da lässt sich hervorragend anknüpfen.

Das Wechselspiel zwischen Individuum, Wissenschaftsorganisation und Zivilgesellschaft ist ebenso faszinierend, wie die Frage nach der Professionalisierung des Berufs „Forscher_in“, im Sinne einer Entwicklung hin zur Profession und zunehmend neutralisierend die Begriffe Berufung und ‚berufen sein’. Auch ist die Frage nach den Persönlichkeitsstrukturen und Wertesystemen von wissenschaftlichen Führungskräften und deren Auswirkungen auf Rekrutierungsprozesse und organisationale Karrierestrukturen reizvoll.

3. Warum haben Sie sich damals für Ihr Forschungsgebiet/ Forschungsthema entschieden? / Was motiviert Sie an Ihrem Forschungsthema ganz besonders?

Ich bin an dem Thema der akademischen Karriereprozesse genaugenommen seit meiner Studienwahl zum Lehramt. Mich hat immer die Frage interessiert, was sollte genau wann und wie in einer Biografie geschehen, um dem Individuum die Möglichkeit zu geben, sich persönlich in die Gesellschaft einzubringen und optimal zu entfalten, auch innerhalb der beruflichen Aktivität. Berufliche Entscheidungsprozesse habe ich somit als Pädagogin, Studienberaterin, Lehrende, Careercounseller, Coach, Recruiterin und akademische Personalentwicklerin in den vergangenen 26 Jahren stets begleitet. Nun mündet meine Leidenschaft in ein Forschungsprojekt zur Karriereforschung als Doktorandin an der PH Karlsruhe.

Das finde ich sehr faszinierend als eigenen Karriereverlauf.

4. Welches Buch hat Sie persönlich am meisten geprägt?

Ich lese unheimlich viel. Da fällt es mir schwer, das eine Buch zu identifizieren, das mich am meisten geprägt haben soll. Aber wenn ich zurück schaue auf mein bisheriges Leben, dann sind es insbesondere Märchen und klassische Sagen, auf die ich immer wieder zurückgreife, wenn ich Antworten suche. Zentral zu nennen wäre hier zum Beispiel die Kleine Hexe von Otfried Preußler, die mich immer wieder glauben macht, dass es möglich ist, einen individuellen Weg im Leben zu gehen, auch wenn alle anderen sagen: ‚Hier kommst Du nicht rein!’ Zum anderen erfreue ich mich der Weisheit antiker Geschichten wie Pygmalion und Galatea von Ovid oder auch der Erzählungen zu den Königen Kroisos und Kyros aus den Historien des Herodot.

Ich bin Johannes Gutenberg auf ewig dankbar für den Buchdruck.

5. Ich bin Autorin bei Budrich, weil ….

… ich einen Verlag für mein aktuelles Buch gesucht habe, der fachlich kompetent, professionell im Gesamtprozess und streitbar genug für kritische und gesellschaftsrelevante Themen war – und weil ich meine heutige Lektorin vom Budrich-Verlag auf einer Netzwerkveranstaltung beim Abendessen kennen und schätzen gelernt habe. Es war für mich keine Frage, für dieses Werk zuerst bei Budrich zu fragen.

Kurzvita:

Jasmin Döhling-Wölm studierte Lehramt an der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover mit den Schwerpunkten Bildungsökonomie und Kompetenzbildung. Als Pädagogin und Wissenschaftsmanagerin baute sie an den Universitäten Hannover, Bremen und Oldenburg Lehr- und Personalentwicklungsprogramm für Studierende, Forschende und Lehrende auf. Sie gründete bereits parallel 2001 das Consulting-Institut für akademische Karriereentwicklung karrierekunst mit dem heutigen Sitz in Bremen.

Mit ihrem Team ist sie in Deutschland, Österreich und der Schweiz tätig als Consultant und Coach für Fach- und Führungskräfte in inner- und außeruniversitären Karrieresystemen.

Relevante Vor-Veröffentlichungen zum Thema des Buches im Barbara Budrich Verlag

Döhling-Wölm, Jasmin 2014: Wenn viele Hände mit anpacken. Strategische Schulentwicklung durch Teams und Netzwerke. In: Grundschule. Ausgabe Juli Heft 6/2014 „Die lieben Kollegen – Wie wir ein Team werden“. Schulbuchverlag Westermann. Braunschweig. S. 14-15. ISBN 53140400

Döhling-Wölm, Jasmin 2014: Im Netz der Emotionen. Gefühle bieten Anreize zur Bildung von Netzwerken. In: Grundschule. Ausgabe Mai Heft 4/2014 „Ich mag dich, ich mag dich nicht – Wie Gefühle das Lehren und Lernen begleiten“. Schulbuchverlag Westermann. Braunschweig. S. 26-27. ISBN 53140400

Döhling-Wölm, Jasmin 2014: Gemeinsam an die Spitze. Mit Netzwerktrainings und Coachings Spitzenpositionen in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik ansteuern und halten. In: CEWS Journal. Nr. 93 2014/15.04.2014. Köln. CEWS. S. 48-58

Döhling-Wölm, Jasmin (2011): Karrieren werden in Netzwerken gemacht – Strategisches Netzwerken als Förderinstrument der akademischen Personalentwicklung. In: Zeitschrift Personal- und Organisationsentwicklung in Einrichtungen der Lehre und Forschung (P-OE). Heft 1/2011. UniversitätsVerlagWebler. S. 14 -18. ISSN 1860 3033

 

Zuletzt erschienen:

Jasmin Döhling-Wölm
Karriere, Macht und Netzwerke: Spielregeln und Felddynamiken akademischer Karriereentwicklung
2016. 133 S. Kt. 19,90 € (D), 20,50 € (A). ISBN 978-3-8474-2004-0 — eISBN 978-3-8474-1007-2

 

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