„Was Corporate Social Responsibility ist … hängt von der Rahmung ab.“ – 5 Fragen an Bettina Stoll und Heike Herrmann

5 Fragen an unsere Autor*innen Verlag Barbara Budrich

Die Reihe Gesellschaft und Nachhaltigkeit erscheint ab Band 7 bei Budrich! Wir haben zu diesem Anlass Bettina Stoll und Heike Herrmann, den Herausgeberinnen des „ersten Budrich-Bandes“ Corporate Social Responsibility – Impulse aus der und für die Profit- und Sozialwirtschaft, unsere 5 Fragen gestellt.

 

Über das Buch:

Unternehmen in Profit- und Sozialwirtschaft tragen ökonomische, ökologische und soziale Verantwortung, auch als Corporate Social Responsibility bezeichnet. Um dieser – ggf. auch durch Kooperationen – entsprechen zu können, bedarf es Aushandlungsprozesse, kluger Wirtschafts- und Sozialkonzepte, Unternehmenskonzepte und Wege zur Verankerung des nachhaltigen Leitbilds in den Institutionen. Der Band setzt dazu Impulse für die Profit- und Sozialwirtschaft.

 

Kurzvitae in eigenen Worten:

Stoll, BettinaBettina Stoll, Prof. Dr. phil., Diplom-Sozialpädagogin, Diplom-Pädagogin, promoviert (zum Thema CSR) in Soziologie, ist seit 2013 Professorin für Sozialmanagement an der Hochschule Fulda. In diesem Kontext stehen insbesondere Zusammenhänge zwischen „Wirtschaft und Sozialem“ im Fokus, sowohl unter der Perspektive der Bedeutung des Sozialen in der Wirtschaft, als auch der Bedeutung der/des Wirtschaft(en) im Sozialen. Speziell CSR ist bereits seit Beginn des 21. Jh. durch ihre Tätigkeit in einem internationalen Großkonzern, z.B. über ein entsprechendes internationales, mehrjähriges ESF Projekt und im Kontext „Betrieblicher Sozialarbeit“, ein Schwerpunktthema, so auch in der begleitenden wissenschaftlichen Auseinandersetzung. Auch im Kontext weiterer beruflicher Tätigkeiten, z.B. als Geschäftsführerin einer internationalen Bildungsinstitution, waren immer wieder Chancen und Herausforderungen, z.B. der Kooperation zwischen Sozialem (Sozialer Organisation) und Wirtschaft(sunternehmen), von Bedeutung.

Herrmann, HeikeProf. Dr. Heike Herrmann ist promovierte Soziologin und seit 2006 Professorin an der Hochschule Fulda. Seit 2011 ist sie Sprecherin der Sektion Stadt- und Regionalsoziologie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS). In den Jahren 2010/2011 war Heike Herrmann Mitglied des Gründungsteams des fakultätsübergreifenden wissenschaftlichen Zentrums für Gesellschaft und Nachhaltigkeit (CeSSt) der Hochschule Fulda, 2015 (Mit-) Gründerin des durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen geförderten interdisziplinären Forschungsinstituts für gesellschaftliche Weiterentwicklung (FGW). Als Vorstandsmitglied des Instituts und Leitung des Themenschwerpunkts Integrierende Stadtentwicklung (ISE) unterstützte Heike Herrmann das Ziel des FGW, forschungsbasierte interdisziplinäre Impulse zum Verständnis wesentlicher Dimensionen und Dynamiken gesellschaftlicher Entwicklungen zu erarbeiten.

 

1) Liebe Frau Stoll, liebe Frau Herrmann, bitte fassen Sie den Inhalt Ihrer aktuellen Publikation Corporate Social Responsibility – Impulse aus der und für die Profit- und Sozialwirtschaft für unsere Leser*innen zusammen.

Corporate Social Responsibility (CSR) als gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen (synonym: unternehmerische Nachhaltigkeit) stellt eine Orientierung dar, die mit zahlreichen Herausforderungen verbunden ist. Innerbetriebliche wie außerbetriebliche unternehmerische Ziele, Strategien oder gar ganze Konzepte sind zu prüfen. Sowohl im Hinblick auf die Profitwirtschaft als auch im Hinblick auf die Sozialwirtschaft scheinen die Stärken und Schwächen dabei klar verteilt: Wird der Profitwirtschaft ein Handeln in der ökonomischen Dimension und ein Mangel in Bezug auf soziales und ökologisches Handeln zugesprochen, so erscheint die Sozialwirtschaft per se die soziale Dimension zu berücksichtigen, hat jedoch Nachholbedarf in der ökonomischen und ökologischen Dimension. Dass diese Zuordnung nicht zuletzt aufgrund der engen Verknüpfung der drei Dimensionen der Nachhaltigkeit keineswegs so eindeutig funktioniert, zeigen die Beiträge in diesem Band.

Einen Vorschlag zur Reduzierung der Komplexität des Themas unterbreiten die Herausgeberinnen in einem einleitenden Beitrag mit dem Titel „Was Corporate Social Responsibility ist… hängt von der Rahmung ab“. Sie stellen anknüpfend an aktuelle Diskussionen fünf zentrale Themenfelder (Frames) vor, in denen sich Herausforderungen und Chancen rund um das Thema CSR diskutieren lassen. Diese „Rahmungen“ lassen sich zum Teil in den hierauf folgenden Beiträgen des Bandes wiederfinden, wenn es z. B. darum geht, Ansätze der innerbetrieblichen Entwicklung im Hinblick auf nachhaltiges unternehmerisches Handeln im Dreiklang aller Dimensionen (sozial, ökonomisch und ökologisch) in der Profit- und Sozialwirtschaft zu entwickeln. Dabei bewegen sich die Beiträge auf unterschiedlichen Ebenen: auf der gesamtgesellschaftlichen bzw. europäischen Ebene (im Beitrag von Thomas Rusche) ebenso wie auf der Ebene der innerbetrieblichen Organisation, wenn es beispielsweise um die Gewinnung von Mitarbeiter*innen (Beitrag von Christoph Schleer) oder um die Verankerung von Ansätzen bzw. Modellen der Organisationsentwicklung im Hinblick auf CSR (Beitrag von Bettina Stoll) geht. Wohl wissend, dass diese Ebenen eben nicht strikt voneinander zu trennen sind. Beiträge befassen sich zudem mit Strategien der Kooperation von Unternehmen, die auf unterschiedlichen Märkten agieren (privatwirtschaftlich und sozialwirtschaftlich; Beiträge von Heike Herrmann und Karl-Hans Kern) ebenso wie mit Chancen und Fallstricken der Kooperation von profitwirtschaftlich ausgerichteten Unternehmen im Hinblick auf nachhaltiges unternehmerisches Handeln (sogenannten Collective-Action-Initiativen; Beitrag von Maria Riegler und Markus Scholz). Zahlreiche Beispiele aus der Praxis ebenso wie Bezüge zu wissenschaftlichen Ansätzen untermauern jeweils die jeweilige Relevanz der Überlegungen für Unternehmen der Profit- und/oder der Sozialwirtschaft.

Der Band schließt mit der Dokumentation eines Roundtable aus dem Mai 2018, an dem Vertreterinnen und Vertreter sozial- wie profitwirtschaftlicher Unternehmen und der Wissenschaft teilnahmen. In einem direkten Austausch ging es hier darum, Best-Practice-Beispiele und damit Erfahrungen in der Umsetzung von CSR-Ansätzen sowie gegenwärtige und mögliche zukünftige Wege zu diskutieren. Der in diesem Abschnitt dokumentierte direkte Austausch verdeutlicht noch einmal ein wesentliches Ziel dieses Bandes, nämlich die Auseinandersetzung unterschiedlicher mit dem Thema CSR in Unternehmen befasster Disziplinen anzuregen und für die Leserinnen und Leser fruchtbar zu machen.

 

2)  Wie kamen Sie auf die Idee, dieses Buch zu schreiben? Gab es einen „Stein des Anstoßes“?

Speziell für diesen zweiten mit der Thematik der Corporate Social Responsibility befassten Band der Schriftenreihe „Gesellschaft und Nachhaltigkeit“ konnten einerseits Ergebnisse aus einem gemeinsamen Forschungsprojekt der Herausgeberinnen, welches sich damit befasst hat, inwiefern CSR/Corporate Citizenship und daraus resultierende soziale Kooperationen zwischen profit- und sozialwirtschaftlichen Organisationen Potenziale zur Stärkung der sozialen Teilhabe von Menschen (und Gruppen) aufweisen, eingebracht und fortgeführt werden. Andererseits war eine damit verbundene Konferenz mit Referent*innen, sowohl aus den klassischen Wirtschaftsunternehmen als auch aus der Sozialwirtschaft, Inspiration und Ausgangspunkt für die Fachbeiträge des vorliegenden Bandes.

 

3) Was ist aus Ihrer Sicht bei der Untersuchung von Corporate Social Responsibility forschungsmethodisch zu beachten?

Die Frage speziell bezogen auf „Forschungsmethoden“, macht zunächst darauf aufmerksam, dass im Kontext von CSR sowohl quantitative (Trends und Entwicklungen wiedergebende) als auch qualitative (den differenzierten Blick verfolgende) sozialwissenschaftliche Forschungsmethoden angewendet werden sollten. So unterschiedlich der wissenschaftliche Blick darüber hinaus in den einzelnen Disziplinen sein kann (z.B. wirtschafts-, umweltwissenschaftlich, gesellschafts- bzw. sozialwissenschaftlich) unter dem CSR betrachtet werden kann, so unterschiedlich kann/muss auch das jeweilige Untersuchungsdesign sein. Es gilt die stimmige Forschungsrichtung mit der stimmigen Methode (Befragung, Inhaltsanalyse…) (ggf. auch Mixed Methods) mit den jeweils stimmigen Forschungsinstrument(en) zu verknüpfen. Der Komplexität von CSR ist durch eine entsprechende forschungsmethodische Komplexität zu entsprechen. Es ist nicht per se „gegeben und gesetzt“ was CSR „ist“, was die Verantwortungsinhalte sind ist Sache und Ergebnis der Aushandlung diverser Stakeholder. CSR bietet damit gleichzeitig diverse Ansatzpunkte für die forschende Betrachtung, die vorab genau eingegrenzt werden muss: Soll eine forschungs(methodische) Perspektive eingenommen werden, die darauf abzielt, dabei zu unterstützen herauszufinden, was CSR ist, worauf sie sich bezieht/beziehen „soll“? Geht es um eine Perspektive, die sich auf „praktizierte CSR“ bezieht? Eine solche Perspektive, die fragt, welche Konsequenzen CSR in der jeweiligen Umsetzung für wen oder was nach sich zieht etc.? CSR ist in ihrem Bezug zum „Business“ (Business Case), zum Sozialen/zur Gesellschaft und deren Gruppen (Social Case), sowie in ihrem Bezug/Bedeutung für die damit in den profit-/sozialwirtschaftlichen befassten Personen/Menschen (Personal Case) interessant für die Forschung. Je nach Bezugspunkt können sich die diversen Methoden quantitativer und qualitativer Forschung mehr oder weniger eignen bzw. ein Mixed Methods-Ansatz stimmig sein.

Generell gelten dabei, ohne Frage, auch für Forschungen im Kontext von CSR die auch in der übrigen Forschung gültigen Gütekriterien.

 

4) Welche Chancen und Herausforderungen von Corporate Social Responsibility sehen Sie in der Sozialwirtschaft und Sozialen Organisationen?

Wenn vielleicht auf den ersten Blick auch nicht offensichtlich, sind die grundlegenden Chancen und Herausforderungen (wie gerade auch in den und durch die diversen Beiträge im Buch deutlich wird) dieselben wie in der/für die Profit-Wirtschaft. Die Chancen liegen zum einem in dem, aus der wahrgenommenen unternehmerischen Verantwortung resultierenden, ausbalancierten sozial-ökonomisch-ökologischen Gesamterfolg der Organisation. Die sozialwirtschaftliche Organisation schafft sich damit eine übergreifende Glaubwürdigkeit und Attraktion, die ihre Existenz auf den verschiedensten Ebenen legitimiert und interessant macht für bzw. bindend wirkt bezüglich der diversen Stakeholder (z.B. (potenzielle) Mitarbeiter*innen, Klient*innen, „Öffentlichkeit“, Kostenträger, Kooperationspartner aus Profit- und Sozialwirtschaft etc.). Die Herausforderung liegt darin, dass die soziale Organisation und ihre Mitglieder einen Weg finden, herauszufinden, zu definieren bzw. übereinzukommen, was für sie speziell CSR bedeutet und die Organisation entsprechend – unterstützt durch CSR-spezifische Instrumente bzw. Nachhaltigkeitssysteme – danach auszurichten vermag.

 

5) Darum sind wir Autorinnen bei Budrich:

Wir sind Autorinnen bei Budrich, weil wir uns gut betreut fühlen. Hierzu gehört eine zeitnahe Rückmeldung auf aufgeworfene Fragen und ein stets freundlicher Ton im Umgang. Der Verlag genießt zudem eine weite Verbreitung unter den Wissenschaftler*innen und Studierenden unseres Faches Sozialarbeitswissenschaft bzw. unter den Akteuren der Praxis der Sozialen Arbeit, so dass wir davon ausgehen, dass auch unser Buch auf wissenschaftliches und praktisches Interesse stößt und Anklang finden wird.

 

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3D Cover Stoll HerrmannBettina Stoll, Heike Herrmann (Hrsg.): Corporate Social Responsibility – Impulse aus der und für die Profit- und Sozialwirtschaft

Gesellschaft und Nachhaltigkeit, Band 7

 

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