5 Fragen an … Dr. Lea Puchert

Buntstifte in einer Reihe

Unsere Autorin Dr. Lea Puchert war so freundlich, unsere „5 Fragen …“ zu beantworten. Bevor wir in das Interview einsteigen, hier die Kurzvita:

Dr. Lea Puchert, Deutscher Studienpreis 2018 2. Preis
© David Ausserhofer / Körber-Stiftung

Dr. Lea Puchert ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Allgemeine Pädagogik und Sozialpädagogik der Universität Rostock. Ihre Arbeits- und Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der qualitativen Jugend-, Bildungs- und Biographieforschung, der Berufsorientierung sowie der (Kinder-)Hospizarbeit. Seit 2018 ist sie Vizepräsidentin des Konzils der Universität Rostock. Für ihre Dissertation „Männliche Ingenieurstudenten: Eine Biographieanalyse ingenieurwissenschaftlicher Studienfachwahl – mit einem Gendervergleich weiblicher und männlicher Ingenieurbiographien“ erhielt sie 2018 den Zweiten Preis des Deutschen Studienpreises der Körber Stiftung. In Rahmen ihrer Habilitation möchte sie sich mit „Digitalen Jugendkulturen“ auseinandersetzen.

 

1.     Welches ist die wichtigste Herausforderung für Ihren Fachbereich in den nächsten Jahren?

Für die Erziehungswissenschaft scheinen mir in den nächsten Jahren folgende zwei Aufgaben besonders auf der Agenda zu stehen: Zum einen braucht es mehr Innovation in der erziehungswissenschaftlichen Theoriebildung und Forschung. Abseits der förderfähigen Mainstreamthemen sollte die Erziehungswissenschaft selbst wieder mehr programmatische Trends setzen und zu den drängenden gesellschaftlichen Fragen Stellung beziehen. Dafür wird es zum anderen sicher auch darauf ankommen, bessere Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen für den erziehungswissenschaftlichen Nachwuchs zu schaffen.

 

2.     Warum sollte jemand unbedingt in Ihrem Forschungsbereich tätig werden?

Gegenwärtig sind Gesellschaften und ihre Mitglieder mit vielfältigen sozialen Wandlungsprozessen sowie brisanten Entwicklungen konfrontiert. In diesem Zusammenhang stellen sich für den Einzelnen und die soziale Gemeinschaft umso mehr die Fragen nach gelingender Identität, Chancengerechtigkeit, Teilhabe und Bildungsgerechtigkeit, ökonomischem Wohlstand sowie gesellschaftlichem Zusammenhalt und Fortschritt. Die sich parallel dazu forcierenden sozialen Probleme und Phänomene bilden schon jetzt für die Erziehungswissenschaft und die pädagogischen Institutionen ein großes Forschungs- und Handlungsfeld. Die interdisziplinär und multiperspektivisch angelegte Jugendforschung sowie die Bildungs- und Biographieforschung haben hier das Potenzial, innovative Wege zur Analyse dieser komplexen Herausforderungen zu gehen.

 

3.     Warum haben Sie sich damals für Ihr Forschungsgebiet/Forschungsthema entschieden? Was motiviert Sie an Ihrem Forschungsthema ganz besonders?

Bereits als Studentin habe ich mich für Lebensgeschichten und biographische Verläufe von Jugendlichen interessiert. Durch die Mitarbeit in entsprechenden Forschungsprojekten konnte ich dann nicht nur mein Interesse an der Jugendforschung sowie der qualitativen Bildungs- und Biographieforschung, sondern auch meine forschungsmethodische Kompetenz erweitern. Thematisch widme ich mich dabei seit Beginn an v.a. den sozialen Problemen sowie den Bildungs- und Identitätsbildungsprozessen von jungen Menschen. Mein Forschungsinteresse an Biographien und Studienorientierungsprozessen von männlichen und weiblichen Ingenieurstudierenden ist zudem biographisch verankert. Ich stamme selbst aus einem weiblichen Ingenieurhaushalt und habe mich daher schon lange für die Themen Techniksozialisation, Technik und Geschlecht sowie Technische Studienfachwahl interessiert.

 

4.     Welches Buch hat Sie persönlich am meisten geprägt?

Als Kind und Jugendliche gehörten die Bücher von Arthur Conan Doyle (Sherlock Holmes) und Gustav Schwab (Sagen des klassischen Altertums) zu meiner Lieblingslektüre. Sie haben sicher auch meine Faszination für Biographien und Erzählungen geweckt. Fachlich einflussreich waren für mich, wenn ich ein, zwei Bücher herausheben soll, insbesondere „Awareness of Dying” (1965) sowie „Discovery of Grounded Theory: Strategies for Qualitative Research“ von Glaser und Strauss (1967). Mit ihren Feldstudien über die Interaktion von Krankhauspersonal mit sterbenden Patienten widmeten sich Barney Glaser und Anselm Strauss schon damals einem gesellschaftlichen Tabuthema. Auch ich entwickelte früh ein Interesse an den Themen Sterben, Tod und Trauer und engagiere mich neben meiner wissenschaftlichen Arbeit bereits seit vielen Jahren in der (Kinder-)Hospizarbeit – zunächst ehrenamtlich als Sterbebegleiterin, später hauptamtlich in Teilzeittätigkeit als Koordinatorin eines ambulanten Kinderhospizdienstes. Darüber hinaus entwickelten Glaser/Strauss mit dem „Theoretical Sampling“ auch ein für die heutige qualitative Forschungspraxis noch immer gültiges prozessbegleitendes Verfahren der ständigen Wechselbeziehung zwischen Datenerhebung, Datensammlung und der Analyse von Daten.

 

5.     Ich bin Autorin bei Budrich, weil …

… ich den Verlag schon bei mehreren gemeinsamen Buchprojekten als überaus professionellen, verlässlichen und vertrauenswürdigen Publikationspartner kennen und schätzen gelernt habe. Besonders gefällt mir, dass Budrich den Erziehungs- und Sozialwissenschaften eine öffentlichkeitswirksame Plattform bietet, über die sie auch mehr gesellschaftliche Aufmerksamkeit und Relevanz erhalten können. Darüber hinaus überzeugt der Verlag durch sein breites thematisches Spektrum mit seinen sozialwissenschaftlichen, frauenpolitischen, erziehungswissenschaftlichen Schwerpunkten und durch die enge sowie kompetente Betreuung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Budrich bietet mir so eine wertvolle und seriöse Unterstützung, um die qualitativ hochwertige Veröffentlichung der eigenen Publikation sicherzustellen.

 

 

Zuletzt bei Budrich:

 

Lea Puchert Männliche Ingenieurstudenten Buch

Puchert, Lea (2017): Männliche Ingenieurstudenten: Eine Biographieanalyse ingenieurwissenschaftlicher Studienfachwahl – mit einem Gendervergleich weiblicher und männlicher Ingenieurbiographien. Studien zur Technischen Bildung 4.

Wensierski, Hans-Jürgen; Langfeld, Andreas; Puchert, Lea (2015): Bildungsziel Ingenieurin: Biographien und Studienfachorientierungen von Ingenieurstudentinnen. Studien zur Technischen Bildung, Bd. 2.

 

 

 

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