„Wenn wir die Welt weiterhin als Ansammlung von Gegenständen für die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse behandeln …“ – 5 Fragen an Fritz Bohnsack

5 Fragen an unsere Autor*innen Verlag Barbara Budrich

Geradezu als Streitschrift kann man Personales Lernen – ernst genommen, die neue Publikation von Fritz Bohnsack, verstehen: Der Mensch droht seinen eigenen Lebensraum, die Erde, zu zerstören, ebenso die Menschlichkeit des Menschen durch seine Benutzung als Objekt und die Ersetzung seiner Geistigkeit durch Maschinen. Vor diesem Hintergrund fragt der Autor kritisch  nach den Konsequenzen für Erziehung und Schule.

Portrait Fritz BohnsackKurzvita in eigenen Worten: Wesentliche Impulse für meine erziehungswissenschaftliche Berufstätigkeit habe ich 1951-53 in Edinburgh durch John Pilley und die von ihm empfohlenen Autoren Martin Buber und John Dewey gewonnen. Gelehrt habe ich an den Universitäten Edinburgh, Hamburg, Münster, Marburg und Essen, hier 1975-88 (Emeritierung). Seither, vor allem in den letzten Jahren, habe ich den lange dominanten roten Faden einer Erziehung zur Demokratie (nach den persönlichen Erfahrungen zwischen 1933 und 1945) geöffnet zu weiterführenden sehr offenen religiösen Perspektiven („Seins Vertrauen“).

 

1) Lieber Herr Bohnsack, bitte fassen Sie den Inhalt Ihrer aktuellen Publikation Personales Lernen – ernst genommen für unsere Leser*innen zusammen.

Der 1. Teil des Buches klärt dieses Konzept der „Person“. Der 2. Teil stellt den Ansatz des „informellen“, d.h. alltäglichen und lebensnahen Lernens und seine Funktion im „formalen“ Lernen der Schule und Hochschule und jeglicher Schulreform dar. Der 3. Teil geht unter personalen Aspekten auf Schulprobleme wie „Leistung“, Schülerrolle, Schüler-Mit- und Selbstbestimmung, Lehrerautorität und -belastung ein. Und der 4. Teil setzt sich mit der vielseitigen Kritik an der Lehrerbildung, dem Theorie-Praxis-Problem und neueren Ansätzen auseinander. Dabei wird vor tabuisierten Themen wie im weitesten Sinne religiöse Perspektiven (z.B. „Seins Vertrauen“) und manchen Verengungen der spätmodernen empirischen Forschung nicht ausgewichen.

 

2) Wie kamen Sie auf die Idee, dieses Buch zu schreiben?

Das Buch geht aus von der Annahme einer Bedrohung: Wenn wir die Welt („Umwelt“) weiterhin als Ansammlung von Gegenständen für die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse behandeln und nicht als einen Kosmos mit eigenen Rechten und Ansprüchen, d.h. wenn wir Welt und Menschen für den „Fortschritt“ ausbeuten, die Subjekte zu Objekten machen und die menschliche Intelligenz durch tausendfach schnellere Maschinen ersetzen wollen, dann geht Wesentliches verloren, was hier als „Person“ und Personalität gefasst wird.

 

3) Warum spielt aus Ihrer Sicht das Konzept der Person in der gegenwärtigen erziehungswissenschaftlichen Diskussion keine ausreichend große Rolle?

Die wissenschaftliche Forschung und Diskussion hat sich in den letzten Jahrhunderten und besonders Jahren immer stärker auf quantifizierbare Aspekte der Wirkilichkeit konzentriert und darüber den Blick auf qualitative Voraussetzungen zurücktreten lassen.

 

4) Welche Möglichkeiten bietet Personalität in der Schule und wie lassen sich deren Grenzen beschreiben?

Die Gefahr besteht, dass Lehrerinnen und Lehrer zu Technikern der Abarbeitung von „Stoff“ und Schülerinnen und Schüler zu Belehrungs-Objekten statt Subjekten ihrer Lernprozesse werden. Ein personal orientierter Unterricht kann das verhindern, z.B. indem er stärker auf die Lern-Möglichkeiten und -Bedürfnisse des einzelnen Lernenden eingeht (Abschaffung des “Lemgleichschritts“). Grenzen finden solche Entwicklungen in der Kompetenz der Lehrenden und ihrer Überlastung.

 

5) Ich bin Autor bei Budrich, weil …

… der Verlag in ungewöhnlicher Weise Rücksicht nimmt auf die Bedürfnisse und die Hilfsbedürfnisse seiner Autoren. Bei alledem ist der Verlag zuverlässig, korrekt und fair.

 

Erschienen bei Budrich:

3D Cover Bohnsack Personales LernenFritz Bohnsack: Personales Lernen – ernst genommen

 

 

© Pixabay 2019 / Foto: Bru-nO; Autorenfoto: Fritz Bohnsack; Titelbild gestaltet mit canva.com