„Ich versuche mich gerne an neuen Projekten, um Neues zu lernen.“ – 5 Fragen an … Christian Wymann

5 Fragen an unsere Autor*innen Verlag Barbara Budrich

Die Vermittlung wissenschaftlichen Schreibens in Workshops und Kursen erfordert eine Didaktik, durch die Kompetenzen erlernt und gestärkt werden können. Christian Wymanns neuer Sammelband Praxishandbuch Schreibdidaktik bietet eine Auswahl an erprobten Übungen, die Lehrpersonen und Schreibberater*innen genau das ermöglichen.

Wir freuen uns, dass Christian Wymann sich Zeit genommen hat, unsere 5 Fragen zu beantworten.

Portraitfoto Christian WymannKurzvita in eigenen Worten: Christian Wymann hat in Soziologie an der Copenhagen Business School promoviert und ist seit 2013 Schreibcoach. Mit seiner Firma Mind Your Writing Schreibberatung führt er v.a. Workshops für Promovierende, Forschende und Dozierende durch. Zudem ist er „Der Schreibberater“ der Universitätsbibliothek Bern.

 

 

1) Lieber Herr Wymann, bitte fassen Sie den Inhalt Ihrer aktuellen Publikation Praxishandbuch Schreibdidaktik für unsere Leser*innen zusammen.

Der Sammelband bietet 50 verschiedene Übungen, die Lehrpersonen und Schreibberater*innen an Hochschulen zur Vermittlung von Schreibkompetenzen einsetzen können. Dabei versteht sich der Begriff der Schreibkompetenz breit: die unterschiedlichen Kompetenzen, die Studierende, Promovierende oder Forschende benötigen, um wissenschaftlich zu Schreiben. Die Beiträge decken folgende Themen ab: Schreibbedingungen, Schreibprozess und -strategien, Klärung des Themas und der Fragestellung, Recherche, Lesen, Gliederung, Zitieren und Paraphrasieren, Argumentieren, reflexives und exploratives Schreiben, Schreiben in der Gruppe, Textsorten, Überarbeiten, Feedback und Schreibschwierigkeiten.
Der Sammelband ist deshalb praktisch, weil jeder Beitrag nicht nur die didaktische Absicht der Übung präsentiert, sondern auch die wichtigsten Eckdaten zur Durchführung, einen konkreten Ablaufvorschlag, inklusive Moderationsvorschläge und Handoutinhalte, und mögliche Herausforderungen. Die Lesenden sollten jede Übung umsetzen können, egal aus welchem Fachbereich sie kommen. Die Beiträge sollen aber genauso Lehrpersonen inspirieren, eigene didaktische Übungen zu erweitern oder neu zu entwickeln. Aus diesem Grund nennt sich der Sammelband Praxishandbuch.

 

2) Wie kamen Sie auf die Idee, dieses Buch herauszugeben? Gab es einen „Stein des Anstoßes“?

Der Grund ist ganz einfach: Ich habe mit meinen paar Übungen die letzten Jahre gearbeitet, hatte aber Mühe, selbst neue zu erfinden. Und bekanntlich macht Not erfinderisch.

Da meines Wissens bisher keine vergleichbare Publikation existierte, sondern Übungen in Zeitschriften und Sammelbänden verstreut waren, fand ich es an der Zeit, dass es einen Sammelband gab, der sich ausschließlich auf die Präsentation solcher Übungen fokussierte. Außerdem war ich nach meiner letzten Publikation auf der Suche nach einem neuen, größeren Projekt. Der Sammelband erwies sich nach kurzer Überlegung und Diskussion mit KollegInnen als lohnenswerte Herausforderung. Bücher als Einzel- oder Ko-Autor zu schreiben kannte ich bereits, aber an einen Sammelband hatte ich mich noch nicht gewagt. Ich versuche mich gerne an neuen Projekten, um Neues zu lernen. Die Resonanz aus der deutschsprachigen Schreibgemeinschaft und des Verlags bestärkten mich in meinem Vorhaben nur noch mehr.

Nun habe ich nicht nur meine didaktischen Wissenslücken mit den Beiträgen im Sammelband gefüllt, sondern auch wertvolle Erfahrungen bei der Konzeption und Herstellung des Bandes gesammelt.

 

3) Praxishandbuch Schreibdidaktik ist mit 50 didaktischen Übungen sehr umfangreich. Wie kann ich als Lehrperson schnell und unkompliziert die richtige Übung für die Gruppenteilnehmer*innen herausfiltern?

Einerseits kann eine Lehrperson den Sammelband anhand der oben erwähnten Grobgliederung im Inhaltsverzeichnis durchstöbern. Innerhalb der einzelnen Teile finden sich dann meistens mehrere Beiträge zum selben Thema mit Variationen. Hier kann dann die Lehrperson am Anfang jedes Beitrags zum Beispiel nachschauen, wie lange die Übung dauert, welche Arbeitsformen eingesetzt werden, für welche Zielgruppe die Übung konzipiert ist oder welches Material eingesetzt wird. Da die Beiträge alle gleich aufgebaut sind, könnten auch leicht der didaktische Hintergrund oder der Ablauf mehrerer Übungen verglichen werden. Oder aber die Lehrperson benutzt das Sachregister, um Übungen zu einem Schlüsselbegriff zu finden.

 

4) Sie haben als Herausgeber auch selbst Übungen beigesteuert. Würden Sie uns eine davon kurz vorstellen?

Ich stelle im Sammelband eine Übung zu Lesestrategien und eine zu Schreibbedingungen vor, wobei ich letztere seit Jahren einsetze und sie mir immer wieder Spaß macht. Die Übung nenne ich „Rezept zum garantierten Scheitern“ und kann grundsätzlich für unterschiedliche Themen eingesetzt werden. Im Sammelband präsentiere ich die Übung zum Thema Zeitmanagement beim Schreiben.

Die didaktische Absicht der Rezept-Übung besteht darin, dass sich die Teilnehmenden in einem Gruppenbrainstorming ein Worst-Case-Szenario ausdenken und dieses in Form eines Rezepts darstellen. Für das Thema Zeitmanagement lautet die Frage, was die Teilnehmenden einer anderen Person raten (nicht) zu denken, (nicht) zu tun und (nicht) zu arrangieren, damit das Schreiben der wissenschaftlichen Arbeit garantiert scheitert. Die Übung dauert rund 20 Minuten und kann zu Beginn eines Workshops oder einer Lehreinheit eingesetzt werden, in der anschließend auf einzelne Punkte des Themas eingegangen wird, um ein Best-Case-Szenario zu schaffen. Die Übung macht Spaß, weil die Teilnehmenden eigene Erfahrungen überzeichnet einbauen oder auch Dinge erfinden dürfen. Da die Rezepte laut vorgelesen werden, wird viel gelacht und es entsteht eine entspannte Atmosphäre, besonders bei einem nach Disziplin und Ernst klingenden Thema wie Zeitmanagement. Während der folgenden Auseinandersetzung mit dem Thema kann die Lehrperson immer wieder auf Beispiele aus den Rezepten zurückgreifen.

 

5) Ich bin Autor bei Budrich, weil …

… ich die Zusammenarbeit als angenehm empfinde und die Bedingungen für mich stimmen.

 

Erschienen bei Budrich:

3D Cover Wymann SchreibdidaktikChristian Wymann (Hrsg.): Praxishandbuch Schreibdidaktik. Übungen zur Vermittlung wissenschaftlicher Schreibkompetenzen

 

 

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