„Nach der Lektüre wissen Sie, worauf es beim Coach-Sein ankommt.“ – 5 Fragen an Brigitte Wolter

5 Fragen an unsere Autor*innen Verlag Barbara Budrich

Am Thema Coaching kommt heute fast niemand mehr vorbei: ob Personalentwicklung, Management, Mitarbeiterführung, Personal oder Unternehmensberatung. Wer coachen kann, ist klar im Vorteil. Doch wie werde ich ein guter Coach? Wie wähle ich eine gute und seriöse Coaching-Ausbildung aus? Welche Faktoren entscheiden über meinen Erfolg als Coach und wie kann ich mich vernetzen?

Brigitte Wolters Ratgeber Ich will Coach werden ist ein leidenschaftlich verfasster Leitfaden für alle, die darüber nachdenken, in der Rolle als Coach etwas nachhaltig Positives zu bewirken. Unterhaltsam, klar und kurzweilig richtet es sich an Leser*innen, die sich kompakte und dennoch fundierte Informationen zu einem der attraktivsten Berufe wünschen.

Wolter, BrigitteKurzvita in eigenen Worten: Dr. Brigitte Wolter, 1956 in Königswinter geboren, studierte Agrarwissenschaften mit der Fachrichtung Pflanzenbau in Bonn. Ausgebildet als Business Coach und Mentaltrainerin gründete sie 2003 brandinvest® Corporate Coaching (www.brandinvest.com) mit der Vision, als Management Coach Führungskräfte auf ihrem Weg zu modernen Leadership-Konzepten nachhaltig zu inspirieren. Seit 2008 ist sie als Lehr Coach tätig und gibt ihr Wissen und ihre Erfahrung an den Coach-Nachwuchs weiter. Sie ist zudem im Deutschen Bundesverband Coaching e.V. -DBVC- als Senior Coach und Coaching-Weiterbildungsanbieterin akkreditiert.

 

1) Liebe Frau Wolter, bitte fassen Sie den Inhalt Ihrer aktuellen Publikation Ich will Coach werden für unsere Leser*innen zusammen.

Mein Buch ist ein Ratgeber für angehende Coaches und Coaching-Interessierte. Es liefert ihnen alle relevanten Informationen zum Coaching-Markt, zum Berufsbild Coach und zur Coach-Qualifizierung. Nach der Lektüre wissen sie, worauf es beim Coach-Sein ankommt, wie ein Coaching-Prozess aussieht, können gängige Coaching-Ansätze unterscheiden und kennen die Kriterien für die Auswahl eines passenden Coaching-Ausbildungsinstituts. Zudem bekommen sie Literatur-Empfehlungen für den Einstieg als Coach und für die Coaching-Praxis. So bringt das Buch eine enorme Zeitersparnis bei der Recherche und schafft Klarheit in Bezug auf den doch sehr undurchsichtigen Coaching-Markt.

 

2) Wie kamen Sie auf die Idee, dieses Buch zu schreiben? Gab es einen „Stein des Anstoßes“ für die 1. Auflage im Jahr 2017?

Im Laufe meiner langjährigen Praxis als selbständiger Coach und Lehr-Coach habe ich viele Erstgespräche mit Coaching-Interessierten geführt. Dabei stellte ich fest, dass die meisten von ihnen trotz aller Aufklärung zum Thema Coaching-Profession keine klare Vorstellung von der Tätigkeit eines Coachs haben bzw. wie ein Coaching abläuft. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Der Begriff „Coach“ ist nach wie vor nicht geschützt, jeder kann sich Coach nennen und irgendeine Art von Beratung unter dem Label Coaching vermarkten. Nach wie vor erlebe ich, dass sich angehende Coaches von der Recherche im Internet angesichts der dort herrschenden Informationsschwemme und widersprüchlichen Aussagen zum Thema Coaching mehr frustriert als informiert fühlen. Ähnliches gilt für die Auswahl von Coaching-Literatur, auch da wissen angehende Coaches meist nicht, wo sie anfangen sollen.

Das brachte mich auf die Idee zu meinem Buch „Ich will Coach werden“. Mein Ziel war es, einen Leitfaden für alle zu schreiben, die sich in kurzer Zeit kompakte und fundierte Informationen zur Profession Coach und zu den Chancen und Risiken in diesem Berufsfeld verschaffen möchten. Herausgekommen ist ein „Coaching-Handbuch im Mini-Format“, welches vor allem auf die Voraussetzungen für den „Beruf“ Coach fokussiert.

 

3) Inwiefern unterscheidet sich die 2. Auflage des Buches konkret von der vorherigen?

Abgesehen von einigen kosmetischen Korrekturen unterscheidet sie sich nicht wesentlich von der Erstauflage. Speziell die Angaben zu den Coaching-Verbänden sind aktualisiert worden. Darin spiegelt sich die Dynamik in der breit gefächerten Coaching-Verbandslandschaft wieder, die sich im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte stark gewandelt hat.

 

4) Das Buch spricht eine breite Zielgruppe an: Führungskräfte, Personalentwickler*innen, Unternehmensberater*innen, Personalberater*innen, Trainer*innen. Warum ist das Thema Coaching für all diese Berufsgruppen interessant?

Das hängt damit zusammen, dass Führungskräfte ihre Mitarbeiter*innen zunehmend auch coachen sollen (und wollen) und Trainer*innen ihr Portfolio um Coaching erweitern möchten, da sie oft als Trainer*in und Coach angefragt werden. Der Personalentwicklung kommt dabei eine Schlüsselstellung zu. Sie ist u.a. für die (Weiter-)Entwicklung von Führungskräften zuständig und stellt dazu entsprechende Trainings- und Coaching-Angebote zur Verfügung. Deshalb ist es für Personalentwickler*innen wichtig, über Coaching-Kompetenz zu verfügen, denn was man selber kennt, kann man auch besser beurteilen und vermitteln.

In der Personalberatung ist es zudem angekommen, dass Recruiting- und New Placement-Prozesse durch Coaching effizienter gestaltet werden können. Und auch Unternehmensberatungen schätzen es mittlerweile, wenn ihre Berater*innen Coaching-Kompetenz aufweisen. Durch ihre Fähigkeit, situativ zwischen Beratung und Coaching zu wechseln, sind sie in der Lage, Ihre Kunden bestmöglich „abzuholen“. Dies wiederum erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Konzepte auch tatsächlich umgesetzt werden.

Neben diesen eher pragmatischen Gründen ist die treibende Kraft Coach zu werden eine ideelle. Viele Menschen suchen angesichts der globalen Herausforderungen unserer Zeit nach einer sinnstiftenden Tätigkeit, in der sie einen Beitrag zur Lösung unser aller Probleme leisten können. Ein guter Coach ist in der Tat auch als Sinnstifter unterwegs, denn er hilft anderen Menschen sich ihrer Werte bewusst zu werden, ihre Haltung zu überprüfen und sich neu zu verorten. Diskurse über Ethik, Welt- und Menschenbild gehören u.a. dazu. Der Coach ist daher immer in seiner Haltung und als Vorbild gefordert. Er muss am Puls der Zeit mitschwingen und sich als Resonanzkörper für seine Klienten und Klientinnen verstehen. Das macht diese Tätigkeit so anspruchsvoll und gleichsam faszinierend.

 

5) Wo liegen die größten Herausforderungen auf dem Weg zum professionellen Coach? 

Der professionelle Coach zeichnet sich durch eine anerkannte Coaching-Ausbildung und eine ethische Dienstleistungsauffassung aus. So weit so gut. Wenn man bedenkt, dass die Beziehung zwischen Coach und Klient*in zu den wichtigsten Wirkfaktoren im Coaching-Prozess zählt, kommt der Persönlichkeit des Coachs eine immense Bedeutung zu. Techniken allein machen keinen guten Coach aus. Die Herausforderung besteht daher zunächst darin, eine passende, fundierte Coaching-Ausbildung zu finden, die viel Raum zur Selbstreflexion der eigenen Haltung und Weiterentwicklung der Persönlichkeit sowie reichlich Gelegenheit für praktische Übungen und Supervision bietet. Dies ist angesichts der unüberschaubar großen Anzahl an Angeboten von Coaching-Ausbildungen mit unterschiedlichsten Ausbildungsformaten wahrlich nicht einfach.

Und wer sich als Coach selbständig machen möchte, steht vor der Herausforderung, sich auf dem wettbewerbsintensiven Coaching-Markt zu behaupten. Es reicht nicht, eine schöne Homepage zu haben, die das Siegel eines Coaching-Verbandes ziert. Für die Selbständigkeit sind Leidenschaft, unternehmerische Fähigkeiten und Durchhaltevermögen gefragt. Zu all diesen Aspekten habe ich in meinem Buch Stellung bezogen, Checklisten geliefert und Fragen beantwortet, die mir in meinen Erstgesprächen immer wieder untergekommen sind. Vor allem ist es mir wichtig, mit meinem Buch diejenigen zu erreichen, die sich ernsthaft mit dem Wunsch tragen, Coach zu werden und den professionellen Weg dahin suchen.

 

Erschienen bei budrich Inspirited:

3D Cover Ich will Coach werdenBrigitte Wolter: Ich will Coach werden. Von der Idee zum Traumberuf – Wie Sie sich qualifizieren und die Grundlage für eine erfolgreiche Coaching-Praxis legen.

2., aktualisierte Auflage.

 

© Pixabay 2019 / Foto: Bru-nO; Titelbild gestaltet mit canva.com