5 Fragen an … Helmut Lambers

Helmut Lambers Theorien der Sozialen Arbeit

Unser Autor war so freundlich, unsere „5 Fragen …“ zu beantworten. Bevor wir in das Interview einsteigen, hier die Kurzvita: Helmut Lambers studierte Sozialpädagogik an der Katholischen Hochschule NRW und Soziologie, Psychologie und Erziehungswissenschaft an der Universität Osnabrück. Die Promotion erfolgte an der Universität Bremen. Vor dem Wechsel in die Lehre der Fachwissenschaft Soziale Arbeit durchlief er in unterschiedlichen Funktionen – als pädagogische Fachkraft, Einrichtungsleitung und Geschäftsführer – verschiedene Stationen in unterschiedlichen Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit. Als Professor für  Theorien und Konzepte der Sozialen Arbeit baute er 2000 einen postgradualen Masterstudiengang Sozialmanagement an den Abteilungen Paderborn und Münster der Katholischen Hochschule NRW auf. Zuletzt war er Studiengangsleiter  des konsekutiven Masterstudienganges Netzwerkmanagement an der Abteilung der genannten Hochschule in Münster.  Ein weiteres Interesse gilt der Entwicklung online-gestützter Hochschullehre zu den Themenfeldern Theoriebildung und Geschichte der Sozialen Arbeit. Seine Lehr- und Forschungsschwerpunkte sind: Geschichte und Theorien der Sozialen Arbeit, Systemtheorie und Soziale Arbeit sowie Management in der Sozialen Arbeit und in der Sozialwirtschaft.

1. Lieber Herr Lambers, welches ist die wichtigste Herausforderung für Ihren Fachbereich in den nächsten Jahren?

Die soziale Frage stellt sich neu. Das zentrale gesellschaftliche Problem  liegt in der Frage, wie wir gesellschaftliche Teilhabe unter den Bedingungen von Weltgesellschaft organisieren können. Durch eine Reihe von Faktoren (Globalisierung, Bevölkerungswachstum, Technologisierung, ungebremste Finanzwirtschaft, Renationalisierung uvm.) nimmt  das Problem weltweit zu und zwar  exponentiell. Das bedeutet: Für die steigende Fülle gesellschaftlicher Problembearbeitung steht immer weniger Zeit zur Verfügung. Soziale Arbeit als Wissenschaft kann bei der Bearbeitung gesellschaftlicher Probleme keine zentral steuernde Rolle einnehmen, aber sie kann nicht darauf verzichten, eine bedeutend flankierende Funktion zu beanspruchen. Daraus folgt für sie: Transdisziplinarität und Vernetzung auf allen gesellschaftlichen Ebenen.

2. Warum sollte jemand unbedingt in Ihrem Forschungsbereich tätig werden?

Soziale Arbeit ist m.E. eine Interventionswissenschaft. Sie bezieht sich dabei auf Interaktionen, Organisationen und Gesamtgesellschaft. Wenn da nicht für jeden jungen Menschen was dabei ist, dann weiß ich es auch nicht. Das attraktive, speziell an der Aufarbeitung der theoretischen Grundlagen Sozialer Arbeit, ist, dass hierdurch Soziale Arbeit als Wissenschaft und Profession erst möglich wird.

3. Warum haben Sie sich damals für Ihr Forschungsgebiet/ Forschungsthema entschieden? Was motiviert Sie an Ihrem Forschungsthema ganz besonders?

Zwei Erwartungen waren ausschlaggebend: Zum einen hat mich bei meinem Einstieg irritiert, dass an den Hochschulen wenig über die disziplin- und professionstheoretischen Grundlagen des Studiums der Sozialen Arbeit vermittelt wurde. Zur Irritation gehörte auch die häufig zu vernehmende Kritik, dass Soziale Arbeit als wissenschaftliche Disziplin in Sachen Theoriebildung kaum etwas zu bieten habe. Gegen diesen blinden Fleck wollte ich etwas unternehmen. Das eine Motiv ist sozusagen: Stärkung und Aufwertung der eigenen Disziplin. Zum anderen hat mir Sorge gemacht, dass nicht wenige Studierende der Sozialen Arbeit die Befürchtung umtreibt, von einer akademischen Sprache abgehängt zu werden. Damit ist das zweite Motiv angesprochen: Verständlichkeit. Hier haben sich meine Erwartungen in der Tat erfüllt. Bei dem ersten Motiv, dem Erfolg von Vorurteilsbekämpfung,  bin ich mir nicht ganz so sicher, würde es aber deshalb nicht verwerfen.

4. Welches Buch hat Sie persönlich am meisten geprägt?

Einer Antwort auf diese Frage würde ich mich aus naheliegenden Gründen gerne entziehen wollen. „Geprägt“ finde ich zudem als Begriff für ein Menschenleben schwierig. Es sind so viele Bücher, die mich beeindruckt und in ihren Bann gezogen haben. Spontan fallen mir jetzt „Der Gotteskomplex“ von Horst Eberhard Richter und „Schöne neue Welt“ von Aldous Huxley ein. Aber wenn Sie mich morgen dasselbe fragen würden, wären es andere Bücher. Ich bin halt ein notorische Skeptiker und habe daher Schwierigkeiten damit,  UrheberInnen geistiger Arbeit auf ein Podest zu heben, außer vielleicht Voltaire (1694-1778), dem der Satz zugeschrieben wird: „Der Zweifel ist kein angenehmer Zustand. Gewissheit jedoch ist ein lächerlicher Zustand.“

5. Ich bin Autor bei Budrich, weil…

Ich bin mit diesem Buch seit 2013 bei Budrich. Fachlich war für mich ausschlaggebend, dass sich dieser Verlag nicht nur für die aktionsorientierten, sondern auch für die grundlagentheoretischen Themen unserer Wissenschaft engagiert. Die Zusammenarbeit mit dem Verlag verläuft zudem stets freundlich,  kompetent und vertrauensvoll, was besonders dann wertvoll ist,  wenn es mal schwierig wird. Sehr gut gefällt mir auch das qualifizierte Lektorat, was heute nicht mehr selbstverständlich ist. Beste Empfehlung somit von meiner Seite.

Jüngste Publikationen

  • Lambers, Helmut (2018): Geschichte der Sozialen Arbeit. Lehrbuch. 2. Auflage, Bad Heilbrunn.
  • Lambers, Helmut (2017): Organisationskommunikation als Kritik. In: Krieger, Wolfgang/Sierra Barra, Sebastian (Hrsg.). Systemisch – kritisch? Zur Kritischen Systemtheorie und zur systemisch- kritischen Praxis der Sozialen Arbeit. Stuttgart, S. 295-313
  • Lambers, Helmut (2017): Ein systemtheoretisch reflektiertes Managementmodell für die Soziale Arbeit und die Sozialwirtschaft. In: Schwarz,Gotthard; Wöhrle, Armin; Fritze, Agnès; Prinz, Thomas (Hrsg.): Sozialmanagement – eine Zwischenbilanz. Wiesbaden, S. 141-155
  • Lambers, Helmut (2015): Management in der Sozialen Arbeit und in der Sozialwirtschaft. Ein systemtheoretisch reflektiertes Managementmodell. Lehrbuch. Weinheim & Basel.

Zuletzt erschienen

Helmut Lambers, Theorien der Sozialen Arbeit. Ein Kompendium und Vergleich. 2018, 474 S., Kartoniert, Auflagennr.: 4. überarb. u. erw. Aufl. 29,99 € (D).  UTB-Titelnummer, 3775. ISBN 9783825249854