5 Fragen an … Emanuela Chiapparini

Emanuela Chiapparini u.a. (Hrsg.), Soziale Arbeit im Kontext Schule

Unsere Autorin Emanuela Chiapparini war so freundlich, unsere „5 Fragen …“ zu beantworten. Bevor wir in das Interview einsteigen, hier die Kurzvita: Emanuela Chiapparini absolvierte das Studium der Allgemeinen Pädagogik und Sozialpädagogik an der Universität Zürich, wo sie 2011 am Institut für Erziehungswissenschaften promovierte. Nach Stationen als Gastforscherin und Referentin im Ausland sowie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin in nationalen und internationalen Forschungsprojekten am Soziologischen Institut der Universität Zürich ist sie als Dozentin und Projektleiterin am Institut für Kindheit, Jugend und Familie am Departement Soziale Arbeit an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) tätig.

Gegenwärtig leitet sie dort das SNF-Projekt zu pädagogischen Zuständigkeiten und außerschulischer Bildung an Tagesschulen der Stadt Zürich und beschäftig sich mit Ansätzen des User Involvements und Armutsprävention von Jugendlichen.

1. Liebe Frau Chiapparini, Welches ist die wichtigste Herausforderung für Ihren Fachbereich in den nächsten Jahren?

Soziale Arbeit im Kontext Schule hat im Zuge des gegenwärtigen Ausbaus von Tagesschulen und Tagesstrukturen in der Schweiz an Bedeutung gewonnen. Unterschiedliche Modelle mit unterschiedlichen Bezeichnungen werden verwendet. Dass die Soziale Arbeit als Profession und Disziplin einen Beitrag für die Förderung des Wohlbefindens von Heranwachsenden und deren gelingendes Aufwachsen leistet, hängt stark von den Gelegenheiten und Rahmenbedingungen ab. Insbesondere für die Subjekt- und Persönlichkeitsbildung bieten sich bewährte Methoden und theoretische Ansätze der Sozialen Arbeit an. Zudem eröffnet insbesondere die Mehrzeit in offenen oder geleiteten Lernsettings über Mittag oder anschließend an den Nachmittagsunterricht allen Kindern mehr entdeckende und kollegiale Lernmöglichkeiten. Gleichzeitig stellen sich durch die verlängerte Zeit in der Schule mögliche Fragen des Kindeswohls, welche stärker als bislang empirisch und aus ihrer Sicht zu ergründen sind. Schließlich bewährte sich die Soziale Arbeit bereits in anderen Handlungsfeldern in Interdisziplinarität und Interprofessionalität, womit theoretische, methodische und erfahrungsbasierte Grundlagen vorliegen und für den Kontext Schule weiterzuentwickeln sind. Zudem bleibt die Soziale Arbeit im föderalistischen Schulsystem der Schweiz und mit den unterschiedlichen Entwicklungen in den vier Sprachregionen der Schweiz gefragt und gefordert.

2. Warum sollte jemand unbedingt in Ihrem Forschungsbereich tätig werden?

Die Forschung im Bereich Soziale Arbeit und Schule bietet die Möglichkeit neben praxisorientierter Grundlagenforschung ebenfalls die gesellschaftsrelevanten Befunde mit den direkten Beteiligten an Schulen wie Eltern, Kinder oder Fachpersonen oder Vertretenden der Schulpolitik und der öffentlichen Hand zu diskutieren und konkrete Wissenschaftsvermittlung zu ermöglichen. Der Brückenschlag zwischen akademischen Forschungsanforderungen und verständlichem Vermitteln an eine breite Öffentlichkeit, sowie das Spannungsfeld zwischen erwünschten Handlungsanleitungen sowie gewinnbringende Weiterbildungsangeboten und kritischen Selbstreflexionen sowie fundierten Forschungen bleibt eine andauernde und fruchtbare Herausforderung.

3. Warum haben Sie sich damals für Ihr Forschungsthema entschieden? Was motiviert Sie an Ihrem Forschungsthema ganz besonders?

Meine Entscheidung für das Forschungsthema der Sozialen Arbeit und Schule nahm ich nicht gezielt vor, sondern entwickelte sich, indem ich eine Jugendforschung an Zürcher Volksschulen zum Umgang mit unterlaufenden Regeln aus der Sicht von Jugendlichen durchgeführt habe und anschließend an mehreren Studien zu Engagement- und Partizipationsformen von Jugendlichen mit unterschiedlicher sozialer Herkunft in ihrer Freizeit mitgearbeitet und geleitet habe.

Ganz besonders motiviert mich an meinem Forschungsthema, Lernprozesse und -settings außerhalb des Unterrichts, möglichst aus der Sicht der Heranwachsenden zugänglich zu machen. Aus verschiedenen Gründen haben nicht alle Heranwachsenden außerhalb des Unterrichts Zugang zu Bildungs- und Freizeitangeboten (z.B. Kurse oder Räume des freien Tuns). Durch meine Forschung möchte ich dies untersuchen sowie bestehende Entwicklungsprojekte unterstützen und fördern.

4. Welches Buch hat Sie persönlich am meisten geprägt?

„Die kleine Hexe“ von Otfried Preußler war das erste Buch, das ich freiwillig gelesen und von der Bibliothek ausgeliehen habe. Von den Fachbüchern prägten mein Denken und Arbeiten viele, wie beispielsweise Jugendsozoiologie (2009) von Albert Scherr.

5. Ich bin Autorin bei Budrich, weil…

… ich als Doktorandin einen kompetenten und motivierenden Schreibworkshop mit Barbara Budrich im Rahmen eines Nachwuchsförderungsprogramms an der Universität Zürich organisiert und durchgeführt habe. Dies war für mich entscheidend, um mehr Freude an Schreibprozessen zu gewinnen.

Zudem überzeugen mich das gesellschaftliche Engagement und die Nachwuchsförderung des Verlags. Schließlich ist der Publikationsprozess unkompliziert und von der Marketingstrategie profitieren ebenfalls frisch gestartete Autorinnen und Autoren.

Zuletzt erschienen

Chiapparini, E., Stohler, R., & Bussmann, E. (Eds.). (2018). Soziale Arbeit im Kontext Schule. Aktuelle Entwicklungen in Praxis und Forschung in der Schweiz. Opladen, Berlin, Toronto: Budrich. https://doi.org/10.21256/zhaw-3687

Letzte Publikationen

Chiapparini, E., Kappler, C., & Schuler Braunschweig, P. (2018, angenommen). Erweiterter Bildungsbegriff an Tagesschulen. Bildungstheoretische Voraussetzungen und Befunde aus einer qualitativen Untersuchung an Tagesschulen in Zürich. Diskurs Kindheits- und Jugendforschung.

Chiapparini, E. (2017). Anspruch oder Realität? Förderung des Wohlbefindens von Kindern in der Ganztagesbildung. SozialAktuell. (4), 32–33. https://doi.org/10.21256/zhaw-1262

Chiapparini, E. (Ed.). (2016). The Service User as a Partner in Social Work Projects and Education: Concepts and Evaluations of Courses with a Gap-Mending Approach in Europe. Opladen, Berlin & Toronto: Budrich. https://doi.org/10.21256/zhaw-1313

Chiapparini, E., & Skrobanek, J. (2015). Alles eine Frage der Lebenslage? – Vereinsaktivitäten von Jugendlichen im Kanton Zürich: Just a Matter of Life Circumstances? – Association Activity of Young People in the Canton of Zurich. Schweizerische Zeitschrift für Soziologie, 41(1), 119–144. https://doi.org/10.21256/zhaw-1193