5 Fragen an … Diana Raufelder

1.     Welches ist die wichtigste Herausforderung für Ihren Fachbereich in den nächsten Jahren?

Die Gesellschaft und insbesondere die Schule als Bildungsinstitution wird gegenwärtig mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert: Der demographische Wandel und die Berücksichtigung wachsender kultureller Diversität, die Realisierung inklusiver Lehr-/Lernsettings, sowie die Prozesse der Digitalisierung werden in der modernen Leistungsgesellschaft, in der Lernen zur lebenslangen Aufgaben wird, zur zentralen Bildungsaufgabe. Für die Erziehungswissenschaft bedeutet das, (a) diese Prozesse empirisch zu untersuchen (Grundlagenforschung), (b) zu begleiten (Evaluation) und daraus (c) Leitlinien für die Lehrerbildung und Schulpraxis zu erstellen.

2.     Warum sollte jemand unbedingt in Ihrem Forschungsbereich tätig werden?

Ich kann nicht für andere sprechen, aber mich treibt die Idee an, jeden Schüler bzw. jede Schülerin in der individuellen Entwicklung  zu fördern. Wie können wir das Potenzial eines jeden Menschen durch Bildung entfalten? Dazu müssen wir die der Bildung (inkl. Lernen und Motivation) zugrundeliegenden Prozesse aufdecken, die in den Bereichen Erziehungswissenschaft, Psychologie, Ethnologie und Neurowissenschaften verankert sind. Je mehr wir diese Prozesse verstehen, desto eher können wir das Potenzial eines jeden Kindes fördern.

3.     Warum haben Sie sich damals für Ihr Forschungsgebiet/Forschungsthema entschieden? Was motiviert Sie an Ihrem Forschungsthema ganz besonders?

Motivation ist die Antriebskraft für menschlichen Handelns: der Motor, der uns in Bewegung bringt und hält. Meine Erfahrungen mit Lehrkräften und Mitschüler/-innen in der eigenen Schulzeit haben mich schon früh zu der Frage geführt, welche Rolle diese in Hinblick auf schulische Motivation spielen. Dabei stand immer schon die Frage nach interindividuellen Unterschieden im Fokus meines Forschungsinteresses. Da Motivation- und Lernprozesse nicht nur für die Erziehungswissenschaft, sondern auch in der Ethnologie, Psychologie und Neurowissenschaft von Bedeutung sind, sehe ich in meiner Forschungstätigkeit vor allem auch die interdisziplinäre Herangehensweise als Chance und Herausforderung.

4.     Welches Buch hat Sie persönlich am meisten geprägt?

Hölderlins Hyperion hat mich sehr beeindruckt: Ich würde es als mein persönliches Buch der Erkenntnis beschreiben, weil ich in ihm auf zentralen Fragen des Menschseins Antwort gefunden habe. Unabhängig vom gerade herrschenden Zeitgeist ist dieses Buch in seiner Substanz aktuell geblieben.

5.     Ich bin Autorin bei Budrich, weil…

der Verlag nicht durch enge Vorgaben Freiräume des Schreibens einschränkt und es mir damit ermöglicht hat, meiner Begeisterung ihren Lauf zu lassen. Mit Hölderlin könnte man sagen: „Wie unvermögend ist doch der gutwilligste Fleiß der Menschen gegen die Allmacht der ungeteilten Begeisterung.“

Im September 2018 erschien im Verlag Barbara Budrich von Diana Raufelder Motivation in der Schule.

Kurzvita:

Seit Herbst 2015 habe ich den Lehrstuhl für Schulpädagogik an der Universität Greifswald inne, wo ich zum Einen mit meinem Team aus jungen Nachwuchswissenschaftler/-innen der Psychologie, Erziehungswissenschaft und Neurowissenschaft interdisziplinär zur Rolle sozio-emotionaler Faktoren in schulischen Lern- und Motivationsprozessen forsche (Projekt SELF, gefördert von der Volkswagen Stiftung) und zum Anderen reflexive Mentoringprozesse in den Praxisphasen des Lehramtsstudiums im Rahmen der Qualitätsoffensive Lehrerbildung (gefördert vom BMBF) untersuche.

Meine jüngsten Veröffentlichungen:

Bukowski, W. M., & Raufelder, D. (2018). Peers and the self. In W. M. Bukowski, B. Laursen, & K. H. Rubin (Eds.), Handbook of peer interactions, relationships and groups (pp. 141-158). New York, NY: Guilford.

Raufelder, D., Regner, N., & Wood, M. A. (2018). Test anxiety and learned helplessness is moderated by student perceptions of teacher motivational support. Educational Psychology, 38(1), 54-74. doi: 10.1080/01443410.2017.1304532

Romund, L., Raufelder, D., Flemming, E., Lorenz, R. C., Pelz, P., Gleich, T., Heinz, A., & Beck, A. (2016). Maternal parenting behavior and emotion processing in adolescents – an fMRI study. Biological Psychology, 120, 120-125. doi: 10.1016/j.biopsycho.2016.09.003

 

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