„Wir wollen aufzeigen, was es braucht, damit Kooperation in der Sozialen Arbeit gelingen kann.“ – 5 Fragen an Jeremias Amstutz und Nadine Käser

5 Fragen an unsere Autor*innen Verlag Barbara Budrich

Kooperation – Strukturmerkmal und Handlungsprinzip der Sozialen Arbeit. Welches sind wichtige Grundlagen der Kooperation? Was sind Voraussetzungen für eine gelingende Kooperation in der Sozialen Arbeit? Der neue Sammelband Kooperation kompakt. Kooperation als Strukturmerkmal und Handlungsprinzip der Sozialen Arbeit von Jeremias Amstutz, Urs Kaegi, Nadine Käser, Ueli Merten und Peter Zängl beantwortet diese Fragen und bietet nun bereits in zweiter Auflage einen zielgerichteten Überblick über das Konzept der Kooperation in der Sozialen Arbeit.

Jeremias Amstutz und Nadine Käser haben stellvertretend für die Herausgeberschaft auf unsere 5 Fragen geantwortet.

Portrait Jeremias AmstutzJeremias Amstutz: Nach dem Bachelor- und Masterstudium in Sozialer Arbeit und fünf Jahren in der Praxis arbeite ich seit nunmehr 8 Jahren in Forschung und Lehre an der Hochschule für Soziale Arbeit, Fachhochschule Nordwestschweiz. Meine Schwerpunkte sind: Sozialmanagement, Case Management, Design Thinking, Kooperation in der Sozialen Arbeit und Cross Sector Collaboration. Darüber hinaus bin ich ehrenamtlich im Vorstand eines Vereins (sozialinfo.ch) aktiv, der die größte Stellenplattform und eine anerkannte Wissensplattform im Sozialwesen der Schweiz betreibt. Mehr zu Person, Projekten & Publikationen.

Portrait Nadine KäserNadine Käser: MA Sozialwissenschaften, MAS Change und Organisationsdynamik. Studium in der Soziologie, Sozialpolitik, Gender Studies und NPO Management. Seit 2012 wissenschaftliche Mitarbeiterin (Senior) am Institut Sozialplanung, Organisationaler Wandel und Stadtentwicklung an der Hochschule für Soziale Arbeit, Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW). Schwerpunkte in Lehre und Forschung sind Soziale Arbeit in Stadt- und Quartierentwicklung, Sozialräume, Partizipation. Themenübergreifend tätig als Organisationsentwicklerin, Supervisorin und Coach. Mehr zu Person, Projekten & Publikationen.

 

1) Liebe*r Herausgeber*innen, bitte fassen Sie den Inhalt Ihrer aktuellen Publikation Kooperation kompakt für unsere Leser*innen zusammen.

Mit der Neuauflage von „Kooperation kompakt“ bieten wir eine profunde Grundlage für ein – in der Praxis der Sozialen Arbeit – zentrales Thema: die Kooperation. Dabei fokussieren wir weniger auf die Kooperation zwischen Fachkräften und Adressat*innen, sondern auf die verschiedenen Formen der intra- und interdisziplinären Kooperation innerhalb von Organisationen (intraorganisational), zwischen Organisationen (interorganisational) und zwischen Organisationen und Institutionen (transorganisational). Ziel unserer Publikation ist, aufzuzeigen, was es braucht, damit Kooperation in der Sozialen Arbeit gelingen kann. Im ersten Teil erläutern wir die theoretischen Grundlagen der sieben wichtigsten Leitprinzipien erfolgreicher Kooperation (Profession, Organisation, Werte, Wirkung, Kommunikation, Partizipation und Multiperspektivität). Im zweiten Teil stehen exemplarisch sechs Handlungsansätze der Sozialen Arbeit im Fokus, in welchen Kooperation eine zentrale Rolle spielt: Case Management, Projektmanagement, Teamarbeit, konstruktive Konfliktbearbeitung, Sozialmanagement und Netzwerkarbeit. Verfasst wurden die Beiträge von ausgewiesenen Expertinnen und Experten in den jeweiligen Themenfeldern.

 

2) Wie kamen Sie auf die Idee, dieses Buch herauszugeben? Gab es einen „Stein des Anstoßes“?

Mehrere Gründe bewogen uns dazu, ein Lehrbuch über Kooperation in der Sozialen Arbeit (und darüber hinaus) zu entwickeln. Insbesondere stellen wir fest, dass institutionelle und organisationale Strukturen, Arbeitskonzepte und individuelle Dispositionen der Fachkräfte oft mit den Anforderungen von entwicklungs- und wirkungsorientierten Formen der Zusammenarbeit im Widerspruch stehen. Ein Grund dafür ist, dass in der Ausbildung zur Sozialen Arbeit vorwiegend die wichtigsten theoretischen Grundlagen zur Behandlung individueller Problem- und Lebenslagen von Klientinnen und Klienten gelehrt werden. Die kontextbezogenen Rahmenbedingungen intra- und interprofessioneller Kooperation, die Grundlagen der Organisationslehre und des Managements, so wie Basiswissen zu Teamentwicklung, Case Management und Netzwerkarbeit werden weitgehend der postgradualen Fort- und Weiterbildung überlassen. Dies obwohl sie genauso grundlegend für professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit sind.

Weiter sind wir der Ansicht, dass sich die Notwendigkeit zu kooperativem Handeln und der professionellen Gestaltung von Kooperationsbeziehungen verstärkt haben.

Schliesslich regen uns die fortlaufenden Erkenntnisse aus (Forschungs-)Projekten, Workshops und Coachings in der Praxis an, die eigenen fachlichen Positionen im Bereich der Kooperation zu reflektieren und weiterzuentwickeln. Diese Erfahrungen ermöglichen es uns, den Begriff der Kooperation präziser zu definieren, die Kompetenzanforderungen noch schärfer zu umreißen und das methodische Handeln anwendungsorientiert und didaktisch strukturierter darzulegen.

 

3) Inwiefern unterscheidet sich die 2. Auflage des Buches konkret von der vorherigen?

Der grösste Unterschied liegt im didaktischen Konzept des Buches. Erweiternd zur ersten Auflage, die in Form eines klassischen Sammelbandes erschien, sind die verschiedenen Beiträge in der Neuauflage konsequenter aufeinander abgestimmt. So sind alle Beiträge ähnlich strukturiert und enthalten dieselben didaktische Sequenzen, wie beispielsweise die Lernfragen oder die Fallbeispiele zum Schluss eines Beitrages.

 

4) Sie schreiben im Vorwort zur 2. Auflage, dass sich der Begriff der Kooperation aus Ihrer Sicht in einem Spannungsfeld befindet. Wie sieht dieses Spannungsfeld aus und sehen Sie Möglichkeiten, dieses aufzulösen?

Das Spannungsfeld liegt unter anderem darin, dass der Begriff im Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit bisweilen sehr umgangssprachlich verstanden und verwendet wird. Häufig wird Kooperation in der Praxis als Allerheilmittel gesehen und alle Beteiligten sind sich betreffend Notwendigkeit und Mehrwert von Kooperation einig. Dies ohne sich mit den Herausforderungen und Stolpersteinen von professioneller Kooperation auseinanderzusetzen. Mit unserer Publikation wollen wir das Bewusstsein schaffen und die nötigen Grundlagen bieten, um das Verständnis von Kooperation zu präzisieren und Kooperationsbeziehungen entsprechend bewusst und erfolgreich zu gestalten.

 

5) Darum sind wir Autor*innen bei Budrich:

Ganz im Geiste unseres Buches „bewährte Kooperationen sollen weitergeführt werden“ haben wir uns entschieden, auch die zweite Auflage von „Kooperation kompakt“ bei Budrich herauszubringen. Die Kooperation war von A-Z, vom Anfangskonzept bis zum (End-)Zeitpunkt der Veröffentlichung sehr angenehm. Der Austausch war konstruktiv, die Zusammenarbeit verlässlich und die Rolle des Verlags stets unterstützend.

 

Erschienen bei Budrich:

3D Cover Kooperation KompaktJeremias Amstutz, Urs Kaegi, Nadine Käser, Ueli Merten, Peter Zängl (Hrsg.): Kooperation kompakt. Kooperation als Strukturmerkmal und Handlungsprinzip der Sozialen Arbeit

 

 

© Pixabay 2019 / Foto: Bru-nO; Autor*innenfotos: Jeremias Amstutz, Nadine Käser