Open Access – Freibier für alle?

Open Access - Freibier
Open Access – Freibier ist es nicht …

Wenn ich mich mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unterhalte, sprechen wir häufig unterschiedliche Sprachen. Das führt zu Missverständnissen. Wer mag, kann hier ein paar Begriffe nachlesen und sich ein Grundverständnis zu Fragen rund um das Thema „Open Access“ anlesen. Dies ist die erste Folge in einer ganzen Reihe zu diesem Thema, die wir in loser Folge fortsetzen. Für eine weiterführende Auseinandersetzung schauen Sie auf die Informationsplattform Open Access.net.

Open Access erschien vielen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zunächst als der entscheidende Schritt, wissenschaftliche Erkenntnis nun endlich allen kostenlos zugänglich zu machen. Noch heute höre ich Argumente, die in die Dritte Welt deuten, die Zugänglichkeit von Forschungsergebnissen für die Ärmsten der Armen fordern und mit Open Access als Lösung feiern. Nach meiner Erfahrung führt die bloße Verfügbarkeit von Information nicht automatisch zur entsprechenden Rezeption und Sprachbarrieren gibt es in vielerlei Hinsicht. Doch davon ein andernmal.

Open Access sei – wie Freibier – vollkommen kostenlos, wurde anfänglich propagiert. Doch – wie bei Freibier – gibt es auch hier eine Zeche, die bezahlt werden muss.

Mittlerweile gibt es im Bereich der Naturwissenschaften Open Access-Publikationsmöglichkeiten, die Sie für läppische 2.200 Euro in Anspruch nehmen können. Selbstverständlich erst, nachdem Ihr Paper auf seine wissenschaftliche Qualität hin geprüft wurde – denn auch Open Access-Publikationen sollen dem wissenschaftlichen Standard entsprechen.

Man unterscheidet zwischen der sofortigen Erst-Publikation im Open Access, dem so genannten „Goldenen Weg“, und der Zweit-Publikation im Open Access, dem „Grünen Weg“. Viele Zeitschriften entscheiden sich für eine zeitversetzte Open Access-Publikation und die DFG fordert dies im Falle einer DFG-Förderung. Je nach Fachbereich werden die Paper 6 bis 24 Monate nach ihrem ersten Erscheinen in einer kostenpflichtigen Publikation dann frei zugänglich gestellt.

Open Access bietet zwar kostenlosen Zugang zu den Materialien, natürlich fallen dennoch Kosten an: Man sagt, dass die Produktion einer ePublikation den Verlag lediglich 20% weniger kostet als die Produktion einer gedruckten Publikation. Kosten fallen an folgenden Punkten an:

  • Kontakt zu und Betreuung Redaktionen;
  • Kontakt zu und Betreuung von Autorinnen und Autoren;
  • Unterstützung des Review Verfahrens;
  • Bereitstellen von Infrastruktur im Web (Internetseite, online Redaktionssystem);
  • Organisation von Satz, Layout, Grafik, Korrekturrunden;
  • Ggf. Vergabe von DOI (Digital Object Identifier)
  • Erstellen von Metadaten (bibliografische Informationen, z.B. Titel, Untertitel, AutorInnen, Abstract etc.) und
  • Aufbereiten der Metadaten für Datenbanken, Suchmaschinen etc.;
  • Aufbereiten der Texte in unterschiedlichen Datenformaten;
  • Abgabe von Pflichtexemplaren an National- und Landesbibliotheken;
  • Bereitstellen und Pflege von Infrastruktur (Hosting; laufende Aktualisierungen der Software-Architektur);
  • Archvierung;
  • Marketing;
  • Kontakt zu und Betreuung von Leserinnen und Lesern, ggf. auch von „Mittlern“ und Multiplikatorinnen und Multiplikatoren.

Nicht an all diesen Stellen fallen für jede Open Access-Publikation Kosten an. Und nicht in allen Fällen kommen die Autorinnen und Autoren bzw. deren Institute für diese Kosten auf. Es gibt Förderprogramme der DFG sowie von weiteren nationalen und supranationalen Einrichtungen zur Förderung der Wissenschaft. Doch dass auch Open Access überhaupt Kosten verursacht, die auf anderem Wege als durch den Verkauf der Publikationen gedeckt werden müssen – dies ist mittlerweile unstrittig.

Mit den Jahren ist das Publizieren im Open Access für viele Fachgebiete zu einem guten und gangbaren Weg in die wissenschaftliche Öffentlichkeit geworden. In anderen Fachgebieten herrscht nach wie vor Misstrauen gegenüber dieser Publikationsform.

In den Budrich Verlagen haben wir für unsere Zeitschriften, bereits veröffentlichte Bücher wie auch für anstehende Publikationen grüne und goldene Angebote für Open Access-Publikationen – sofern dies von unseren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gewünscht wird: Sprechen Sie uns an.

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