Jahresrückblick 2017 – ein tolles Jahr

„It was the best of times, it was the worst of times, it was the age of wisdom, it was the age of foolishness …“ Charles Dickens, A Tale of Two Cities

Fröhliche Weihnachten - Season's Greetings Budrich 2017 Schaue ich auf unsere Autorinnen und Autoren, unser Standing in unseren Wissenschaften, schaue ich auf die Programmentwicklung im Verlag, auf unsere neuen Bücher und Zeitschriften, auf unser Unternehmen -, dann sind dies die besten Zeiten, die wir bisher erlebt haben. Dafür danke ich Ihnen, die Sie diese Zeilen gerade lesen, denn Sie tragen bei zu unserem Erfolg. Ohne Sie wären wir nicht da, wo wir sind. Ein tolles, ein großartiges Jahr!

Wenn ich mir hingegen die Rahmenbedingungen anschaue, unter denen wir arbeiten, dann sind dies die schwierigsten Zeiten, die wir je erlebt haben. Nach 2016 war 2017 das zweitschwärzeste Jahr für unabhängige Wissenschaftsverlage in Deutschland. Und wenn ich die Zeichen richtig deute, wird der Spuk der Rahmenbedingungen auch in 2018 fortgesetzt. Ein tolles, also völlig durchgedrehtes Jahr!

Dies war die Kurzfassung. Unten können Sie gern die Langfassung lesen. Ich danke Ihnen sehr für ein Jahr spannender und partnerschaftlicher Kooperation und freue mich auf die Fortsetzung im kommenden Jahr. Für den Augenblick wünsche ich Ihnen eine friedvolle Weihnachtszeit und einen glücklichen Übergang in ein schönes Neues Jahr, voll Frieden, Optimismus, gegenseitiger Rücksichtnahme, Freiheit (auch der anderen), Teilhabe und Demokratie!

Und hier nun die Details:

Unser Buch- und Zeitschriftenprogramm

Das Herzstück unserer gemeinsamen Arbeit: Unser Buch- und Zeitschriftenprogramm in unseren einschlägigen Fachbereichen – Erziehungswissenschaft, Gender Studies, Politikwissenschaft, Soziale Arbeit und Soziologie – wächst beständig. Wir legen großen Wert auf Qualität, persönliche Betreuung und Begleitung unserer Autorinnen und Autoren und auf wachsende Internationalität. Das bekommen wir vielfach gespiegelt: Durch positive Rückmeldungen von LeserInnen und AutorInnen, durch AutorInnen, die wir über viele Projekte hinweg lange Zeit begleiten dürfen, und durch Szenen wie neulich auf der IPSA-Konferenz in Hannover, als eine südafrikanische Professorin sich überschwänglich bei mir für unsere tolle Programmarbeit bedankte und aufgeregt vor dem Büchertisch einen Titel nach dem anderen hochhielt, die sie alle kannte und für ihre Arbeit nutzte.

Auch unsere neue Vorschau Frühjahr 2018 belegt dies und zeigt, was wir mit Ihrer Unterstützung für das erste Halbjahr 2018 geplant haben.

Internationales

Unsere internationalen Partner leisten ganze Arbeit und tragen unsere Bücher und Zeitschriften in alle Welt – wie die Rückmeldung aus Südafrika und viele weitere unterstreichen.

Unser Programm wird immer internationaler und in der aktuellen Vorschau sind Übersetzungen aus dem Französischen (S. 4) und dem Amerikanischen (S. 30)  zu finden, und die portugiesische Übersetzung eines Buches (S. 3) ist bei einem brasilianischen Verlag in Vorbereitung – und das sind nur eine Handvoll Beispiele für das, was bei uns ebenfalls läuft.

Team

Abschiede und Neuanfänge – in 2017 hatten wir so viele Platzwechsel wie nie zuvor: Nele große Deters hat uns verlassen, um ihre Promotion anzugehen. Seit August ist Tobias Bülte unser neuer Volontär und in der Buchhaltung ist Maria Dasbach neu ins Team gekommen. Für 2018 sind wir schon mit weiterer Unterstützung im Wort: Es gibt so viel zu tun – das schaffen wir nur in der größeren Runde.

Open Access

Seit Gründung ist es bei uns möglich, im Open Access zu veröffentlichen.

Aktuell werden Open Access-Publikationen von der öffentlichen Hand, von Institutionen und Hochschulen gefördert: Die Verlagsleistung wird durch Pauschalen abgegolten. Dabei gibt es ein großes Ungleichgewicht zwischen verschiedenen Verlagen und Fächern: In den Naturwissenschaften, die in der Hauptsache von den großen internationalen Konzernen vertrieben werden, gibt es Article Processing Charges (also Gebühren für die Veröffentlichung einzelner Zeitschriftenaufsätze) in Höhe von 3.000 Euro und mehr. Wir bieten unseren AutorInnen die Möglichkeit, Einzelbeiträge aus Zeitschriften in den Open Access zu geben und nehmen dafür 200 bis 300 Euro.

Viele Bibliotheken machen sich stark für Open Access, das BMBF hat Förderungen ausgeschrieben und wir kooperieren mit weiteren Verlagen mit der Bibliothek der Universität Duisburg-Essen, um ab 2018 mehr über Open Access und Monografien in unseren Fachbereichen zu erfahren und mehr Open Access zu ermöglichen.

Doch birgt Open Access auch Risiken. Insbesondere wenn Verträge mit internationalen Großverlagen auf nationaler Ebene dazu führen, dass Konzernverlage Angebote in Aussicht stellen, die nicht zuletzt den unabhängigen Verlagen massive Wettbewerbsnachteile bringen. Darüber wird noch zu berichten sein, problematisiert hatte ich dies bereits im Frühjahr 2017.

VG Wort

Seit die Gerichte 2015 (EuGH) und 2016 (BGH) beschlossen hatten, dass die VG Wort zu Unrecht Entschädigungszahlungen an Verlage vorgenommen hatte, hing das Damoklesschwert der hohen Rückforderungen über unserem Wirtschaften. 2016 hatte die VG Wort uns zunächst einen Betrag genannt, der für uns 200% eines Jahresgewinns (von guten Jahren …) ausmachte. Durch die Unterstützung unserer Autorinnen und Autoren mussten wir letztlich nur die Hälfte davon – also einen kompletten Jahresgewinn (eines guten Jahres …) – an die VG Wort zurückzahlen. Mein ganzes Team und ich sind unseren Autorinnen und Autoren sehr dankbar für diese große Erleichterung unserer Last!

Auch für die kommende Hauptausschüttung ist es Ihnen als Autor, Autorin möglich, uns den Verlagsanteil freiwillig zuzuerkennen. Wie das geht, habe ich hier zusammengefasst (Achtung: Deadline 31.1.2018!). Sollten Sie von dieser Möglichkeit Gebrauch machen, würden wir uns sehr freuen!

Digitaler Semesterapparat und das UrhWissG

Nachdem in den Hochschulen 2016 den Hochschulrahmenvertrag boykottiert hatten, wurde aus den Schubladen des Justizministeriums das Urheber-Wissensgesellschafts-Gesetz (UrhWissG) herausgekramt. Das lag dort schon länger und hatte die Verlagsgemüter erhitzt, weil es sich auf ein von Verlagsseite stark kritisiertes Gutachten stützt.

Die Hochschulen entrichten für die Nutzung von Publikationen in digitalen Semesterapparaten eine pauschalierte Gebühr. Abgerechnet wird über die VG Wort. Die gleiche VG Wort, die nur mit aktiver Unterstützung seitens engagierter AutorInnen an Verlage ausschütten darf.

Ich war als Sachverständige in den Bundestag zur Anhörung eingeladen worden und durfte dort sprechen, im vergeblichen Versuch, die Verabschiedung des Gesetzes zu verhindern. Ich nannte dieses Vorgehen aus Verlagsperspektive „entschädigungslose Enteignung“. Hörbares Luftschnappen war die Reaktion aus allen Fraktionen – allerdings nur ob meiner Wortwahl, nicht wegen des Vorgangs an sich.

Für AutorInnen bedeutet dies, dass sie eine Entschädigung für die Nutzung ihrer Materialien in digitalen Semesterapparaten erhalten – unabhängig davon, ob bzw. wie intensiv (und extensiv) Ihre Publikationen wirklich in der Lehre eingesetzt werden oder nicht. Für LehrbuchautorInnen eine Strafe, keinerlei Anerkennung.

So, genug gemault. Hier noch Erfreuliches.

Engagement

Wir haben die Internetseite für das Refugium-Projekt für MultiplikatorInnen in der Flüchtlingsarbeit unter der Federführung von Prof. Dr. Christine Färber aktualisiert. In fünf Bereichen – Bewegung, Ernährung, Gesundheitsversorung, Hygiene und Psychische Gesundheit – werden Flyer und nun auch Manuale in verschiedenen Sprachen (Albanisch, Arabisch, Bulgarisch, Deutsch, Englisch, Farsi, Russisch, Türkisch) zum kostenlosen Download angeboten. Wir hoffen, dass von diesem großartigen Angebot reichlich Gebrauch gemacht wird! Unbedingt weitersagen!

Veranstaltungen

Unsere Bücher und Zeitschriften waren viel unterwegs. In Neu Delhi auf der indischen, in Beijing auf der chinesischen Buchmesse. 2017 waren wir zudem u.a. auf folgenden Veranstaltungen:

    • 17./18.2.2017 Methodenworkshop, Magdeburg
    • 22.-25.2.2017 ISA, Baltimore
    • 28./29.4.2017 DGSA, Berlin
    • 17.-19.5.2017 Asian Congress, Torun
    • 21.-25.8.2017 ECER, Kopenhagen
    • 31.8.-3.9.2017 APSA, San Francisco
    • 6.-9.9.2017 ECPR, Oslo
    • 13.-16.9.2017 EISA, Barcelona
    • 28.-30.9.2017 FG Gender, Köln
    • 11.-15.10.2017 Buchmesse, Frankfurt/Main
    • 4.-6.12.2017 IPSA-Konferenz, Hannover

2018 könnten wir uns auf folgenden größeren Veranstaltungen treffen (die kleineren lasse ich aus Platzgründen aus…):

    • 16./17.2.2018 Methodenworkshop, Magdeburg
    • 21.-24.2.2018 IFO 2018, Gießen
    • 18.-21.3.2018 DGfE, Duisburg-Essen
    • 4.-7.4.2018 ISA, San Francisco
    • 27./28.4.2018 DGSA, Hamburg
    • 21.-26.7.2018 IPSA, Brisbane
    • 22.-25.8.2018 ECPR, Hamburg
    • 4.-7.9.2018 ECER, Bozen
    • 12.-15.9.2018 EISA, Prag
    • 12.-15.9.2018 FG Gender, Göttingen
    • 24.-28.9.2018 DGS, Göttingen
    • 25.-28.9.2018 DVPW, Frankfurt/Main
    • 10.-14.10.2018 Buchmesse, Frankfurt/Main

Dies nur als erste Auswahl. Unser Veranstaltungskalender wird laufend aktualisiert und ich freue mich auf häufiges Wiedersehen!

„The best and the worst are known to you, now“*

Es war mir und uns als Team ein Vergnügen, mit Ihnen das vergangene Jahr gemeinsame Wege zu gehen. Und ich freue mich schon auf die Fortsetzung dieser Wege. Doch jetzt ziehe ich (ab dem 22.12.2017) erst einmal die Stecker, und wir sind ab dem 2.1.2018 wieder für Sie da. Einstweilen: frohe Festtage und alles nur erdenklich Gute für 2018!

Ihre Barbara Budrich

* Also, mit Blick auf uns und das vergangene Jahr … (nochmal Dickens, Tale of Two Cities).

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