Douglas Adams, 42 und Philosophen als pädagogische Denker

Die philosophischen Ursprünge empirischer Bildungsforschung – Herrschaft durch Messen In seinem satirischem Science-Fiction-Roman Per Anhalter durch die Galaxis lässt Douglas Adams einen Super-Computer namens „Deep Thought“ auftreten, von dem sich seine Erbauer eine Antwort „auf die große Frage nach dem Leben, dem Universum und allem“ (Adams 1979, S. 163) erwarten. Nach quälend langer Rechenzeit spuckt „Deep Thought“ die Antwort aus: „42“. Die Ingenieure sind darüber sehr irritiert, eine solche Antwort war aber durchaus zu erwarten, wenn man die Klärung von Sinnfragen einem Rechner überlässt.
Adams Satire pointiert die Problematik dieses abschließenden Kapitels, nämlich die Verwandlung von Qualität bzw. Sinn in Quantität und damit Messbarkeit, die theoriegeschichtlichen Begründungsmuster dieser Transformation und deren Auswirkungen auf die zeitgenössische empirische Bildungsforschung. Diese produziert, „Deep Thought“ vergleichbar, Zahlen wie beispielsweise „514“ (das deutsche Ranking-Ergebnis der PISA-Studie von
2013), die als gültige Aussage über die Qualität eines Schulsystems ausgegeben und kolportiert werden, mögen auch nur wenige Menschen das Zustandekommen einer solchen Zahl nachvollziehen und ihre tatsächliche Bedeutung einschätzen können. Der Informatiker Bernd Mahr hat diese Merkwürdigkeit einmal zu dem treffenden Paradox verdichtet: „Das Eigentümliche am Messen ist die Unwirklichkeit der Ordnung, die wir bisweilen wie einen Schleier über die Wirklichkeit legen, um uns durch die Zahlen ein genaueres Bild des Scheins zu machen“ (Mahr 2001, S. 41).

Aus: Karl-Heinz Dammer (Erscheinungstermin: 13.3.2017), Philosophen als pädagogische Denker, Band II: 19. und 20. Jahrhundert, S. 263. Hier können Sie weiterlesen (pdf).

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